Dieser Roman schildert das Leben eines jungen jüdischen Mannes- Mendel - kurz nach dem zweiten Weltkrieg.
Er und seine Familie haben diese schreckliche Zeit überlebt. Dennoch kämpft Mendel mit der Vergangenheit seines Volkes. Da das Schicksal seiner Glaubensgeschwister nicht verkraftbar ist flüchtet er in sein Inneres. Das geht soweit, daß er nach und nach den Zugang zu seiner Umwelt verliert und mehr in seinen Träumen und Empfindungen lebt als in der Gegenwart.
An dem Roman hat mich beeindruckt, daß hier das jüdische Schicksal zwar Hauptthema ist, jedoch aus einem ungewohnten Blickwinkel. Die Greuel des Weltkrieges werden nicht geschildert, sondern ein ganz alltägliches Leben eines Juden nach dem zweiten Weltkrieg.
Der Autor zeigt, daß niemand sich von seinen Wurzeln lossagen kann- Mendel will das auch gar nicht, auch wenn er unter der Last des Schicksals seines Volkes leidet. Erinnerungen bestimmen sein Erleben, immer wieder tauchen sie unvermutet auf und lösen ihn aus seiner einsamen und grauen Gegenwart.
Es sind Erinnerungen an geliebte Menschen und schöne Augenblicke.
Erinnerung, Vergangenheit, Zeit und die Verstrickung des Menschen in das gesellschaftliche und politische Geschehen seiner Zeit sind wichtige Themen über die im Roman nachgedacht wird. Auch die Frage nach der Möglichkeit einer Versöhnung der Kinder von Opfern und Tätern wird thematisiert. Nicht zuletzt vollzieht der Leser den Rückzug Mendels in sich selbst mit, er taucht in die Gefühls- und Gedankenwelt dieser Romanfigur ein.
Auch wenn Mendel immer tiefer in sein Inneres hinabtaucht bleiben seine Mitmenschen bis zum Schluß für ihn wichtig.
Der Roman ist sensibel und einfühlsam geschrieben, in eigenwilligem Stil verfaßt. Der Leser ist in seiner Konzentration gefordert und wird dafür mit interessanten Gedanken und neuen Sichtweisen belohnt.