Mit 3 Monaten Verspätung kommt "Memphis blues" nun auch offiziell bei uns auf den Markt. Und Frau Lauper hat es doch tatsächlich geschafft, dass ich mich das erste Mal richtig mit Blues beschäftige. Das Album hat mich dabei durchaus überzeugt, man spürt richtig den Spaß und die Freude, die Cyndi bei dieser Musik hat. Sie schafft es, dass der doch etwas schwierige Bluessound durch ihren Gesang und ihre Stimme recht leichtfüßig daher kommt. Überhaupt bin ich mal wieder begeistert von der Wandlungsfähigkeit der Cyndi Lauper. Sie macht eben einfach die Musik, worauf sie gerade Lust hat, und ihre Stimme passt einfach perfekt zu den Songs.
Erstaunlich auch, dass vom Prinzip ohne elektronische Hilfsmittel gearbeitet wurde (zumindest sind diese nicht hörbar), und so klingt dieser handgemachte Sound einfach pur und großartig. Die Instrumentierung geht dabei von E-Gitarre, Klavier, Orgel, Trompeten, Saxophon, ... Wohl eben ein typischer Bluessound. Und man fühlt sich, dann auch in einer Musikbar im Stil der 60er Jahre mit Cyndi auf der Bühne und einer genialen Big Band als Begleitung. Das wäre wohl auch ein schönes Live-Erlebnis, auf das wir in Deutschland wohl leider vergebens warten.
Just your fool - Zum Einstieg gibt's einen flotten Titel mit coolem Mundharmonika- und Klaviersound. Cyndi klingt, als hätte sie nie etwas Anderes gesungen, großartig.
Shattered dreams - So stelle ich mir den perfekten Slow-Blues vor, bei dem die Paare engumschlungen auf der Tanzfläche schmusen. Die langgezogenen Orgelklänge im Hintergrund und die Bläserklänge wirken extrem entspannend, der Grundsound wird wie bei vielen Titeln des Albums vom Klavier bestimmt, dazu die zauberhafte Stimme von Cyndi.
Early in the mornin' - Dieser Titel wirkt schön leicht, mal eben so dahingesungen (im positiven Sinn). Schöne Gitarrenelemente im Sound und stimmliche Unterstützung von B.B.King.
Romance in the dark - Extrem langsame Nummer mit sanft dahin schleichendem Orgel- und Bläsersound. Die Stimme von Cyndi reicht von entspannt und ruhig bis kraft- und gefühlvoll, klasse gesungen. Traumhafte Kuschelballade.
How blue can you get? - Großartige Bluesnummer mit schönem E-Gitarren- und einem monotonem Klaviergrundsound. Besonders geile Orchesterbreaks im Zwischenteil und ein genialer Gitarrenteil gegen Ende des Titels. Cyndi singt wieder großartig mit der Unterstützung von Jonny Lang.
Down don't bother me - Schöner flotter Titel mit coolen Mundharmonikaklängen und einer entfesselt wirkenden Cyndi Lauper, die hier hörbar viel Spaß hat.
Don't cry no more - Der Big Band Sound wirkt hier ziemlich frisch fast südländisch. Der Song geht sofort in die Beine und animiert zum Mittanzen, die schöne eingängige Melodie tut dazu ihr übriges. Die Stimme von Cyndi wirkt im Vergleich zum Sound fast ein wenig im Hintergrund.
Rollin' and tumblin' - Der Titel beginnt ruhig gibt aber nach einem Break voll Gas. Genialer Gitarrensound mit eingängigen Samples. Duett der Spitzenklasse, weil die Stimmen vor Allem bei den zweistimmigen Passagen sich perfekt ergänzen. Eigenwilliger Schluss, wo dem Song augenscheinlich die Luft ausgeht.
Down so low - Noch ein Titel aus der Kategorie Schmusesongs. Cyndi singt wieder schön und überzeugend. Auffallend: An vielen Stellen wird jedes gesungene Wort der Melodie durch den Orchestersound unterstrichen.
Mother earth - Das ist mein Favorit des Albums. Herrlicher Klaviersound mit einem relativ tiefem Sample, dass immer mal wieder kehrt. Die Melodie klingt eher unspektakulär und so lebt der Titel auch mehr durch den genialen Sound, der zwischendurch auch mal von Klavier auf Orgel wechselt. Auch hier wieder eine Stimme, als hätte Cyndi nie etwas Anderes als Blues gesungen. Wunderschöner Schluss.
Crossroads - Die etwas verzerrten Gitarrenelemente am Anfang täuschen etwas. Es wird nochmal ein schöner Blues ausgepackt mit ruhigem Gitarrensound und coolen Bläserklängen, ein besonders gelungenes Gitarrensolo im Zwischenteil macht diesen Titel zu einer richtig guten Nummer.
Wild woman don't have the blues - Das ist er nun der Bonustrack, der extra für die europäische Version auf's Album gepackt wurde. Musikalisch fügt er sich perfekt in's Album ein. Cyndi singt ihn mit ihrer herrlichen und rauhen Bluesstimme und wird dabei nur von einer Gitarre begleitet. Dadurch wirkt der Song etwas ruhig. Fraglich warum der Titel erst jetzt auf's Album kommt, wo die wahren Fans das Album schon besitzen, davon bin ich dann auch etwas enttäuscht.
Die Features des Albums, wohl allesamt diverse Bluesgrößen sprechen auch für die Klasse der vorliegenden CD. Und so schafft es Cyndi wohl auch ein wenig Blues in den Mainstraem der Musik zu bringen, was bei dem einheitlichen Elektronikbrei dort wohl nur von Vorteil sein kann. Bei mir hat's zumindest funktioniert und ich bin von dem Album voll begeistert. Und so bleibt wieder eine Art Bewunderung für die Frau, die wohl fast jede Musikrichtung beherrscht, und die durch ihre Wandelbarkeit schon fast eine Art Chamäleon der modernen Musik ist.