The Dragonbone Chair ist das erste von vier Büchern der Memory, Sorrow und Thorn Saga. Diese zählt zu einer meiner absoluten Lieblingsreihen. In meinen Augen bietet sie alles was man von einem gelungenen Fantasy-Zyklus erwarten kann; Spannung, Abenteuer, Herausforderungen, Schlachten und Freundschaft.
The Dragonbone Chair fängt zunächst langsam an. Simon ist 15 und Küchenjunge im Hayholt, dem Schloss von Osten Ard. Sein Leben ist ereignislos aber behütet. Das größte Problem, das Simon plagt, ist die Frage wie er sich am effektivsten vor Arbeit drücken kann. Am liebsten träumt er von all den großen Heldentaten, die er eines Tages zu vollbringen hofft. Bei seinen heimlichen Streifzügen durch die Ländereien des Schlosses erfährt er so manches Geheimnis, das nicht für seine Ohren bestimmt ist. Im Schloss halten ihn alle für einen Nichtsnutz, nur der Zauberer Doctor Morgenes hegt großes Interesse an Simon und nimmt ihn als seinen Lehrling auf. Das hindert Simon jedoch nicht daran, auch weiterhin das Schloss zu erkunden. So kommt es, dass er den verschollen geglaubten Prinz Josua in einem der Burgkerker findet. Doctor Morgenes und Simon verhelfen dem Prinzen zur Flucht, doch das zieht Konsequenzen nach sich. Doctor Morgenes muss diese Hilfe mit dem Leben bezahlen und Simon bleibt nichts anderes übrig als aus dem Schloss fliehen. Er macht sich auf den Weg nach Naglimund, um sich dort Prinz Josua anzuschließen, der sich für einen Krieg mit seinem Bruder, König Elias rüstet. Auf seinem Weg dorthin findet er schon bald treue Weggefährten, den loyalen Troll Binabik mit seiner Wölfin Quantaqua und die geheimnisvolle Marya.
Es trifft zu, dass die Geschichte zunächst relativ langsam in die Gänge kommt. Simons Leben im Hayholt wird sehr ausführlich beschrieben und auch die wechselnden Perspektiven, mal wird vom Simon berichtet, dann von Tiamak oder Maegwin, machen es dem Leser nicht ganz einfach. Dennoch hat das Buch mich bereits von der ersten Seite an gefesselt. Tad Williams beschreibt seine Charaktere und die Schauplätze seiner Saga mit viel Liebe zum Detail. Auf diese Weise erschafft er um den Leser herum eine Welt, die zu atmen beginnt. Auch wenn die Ereignisse im Schloss nicht gerade vor Spannung strotzen, so gelingt es Tad Williams eine unterschwellig bedrohliche Atmosphäre zu schaffen. Auch die Reise von Simon nach Naglimund ist sehr genau beschrieben. Dies mögen einige Leser als störend empfinden, die Geschichte hätte sich sicherlich auf 300 Seiten weniger erzählen lassen, doch mir persönlich gefiel es, komplett und vorbehaltlos in die Welt von Osten Ard einzutauchen. Zudem passiert in der Geschichte so viel, dass man Simon hin und wieder eine Verschnaufpause gönnen muss.
Die Welt die Tad Williams erschafft, mag in vielen Aspekten bekannt vorkommen. So macht er viele Anleihen beim Christentum, die ich jedoch nicht als störend empfunden habe. Viel mehr kann man sich auf diese Weise sehr schnell in den religiösen Bräuchen Osten Ards zurecht finden, ohne dass diese vorher seitenlang beschrieben werden müssen. Dadurch dass sie dem Leser bekannt vorkommen, hat man ein viel breiteres Verständnis von den Hintergründen der Handlungsorte. Angesichts dessen was Tad Willliams mit seinem Zyklus erschaffen hat, kann man ihm mangelnde Fantasie nicht ankreiden.
The Dragonbone Chair ist für alle interessant, die gerne lange, ausführliche Fantasyromane lesen, die viele Handlungsstränge vereinen. Spannung und eine schöne Sprache, bleiben dabei nicht auf der Strecke. Wer zum Original greift, sollte dabei gute Englischkenntnisse mitbringen.