Amerika, man schreibt das Jahr 1964. Ein Mann, der selber Arzt ist, hilft seiner Frau bei der Geburt ihres ersten Kindes. Überraschenderweise kommt nach dem ersten, ein Junge, noch ein zweites, ein Mädchen. Ganz augenscheinlich hat diese das Down-Syndrom. Noch bevor seine Frau es sehen kann, gibt er es in die Hände der assistierenden Krankenschwester mit dem Auftrag, es in eine "entsprechende" Einrichtung zu bringen. Im Schneegestöber macht sie sich gleich auf den Weg, ist von den katastrophalen Bedingungen dort jedoch so erschüttert, dass sie das Baby kurzerhand zu sich nach Hause nimmt und es in den folgenden Jahren selber aufzieht. Der Arzt erzählt seiner Frau, dass nur der Junge überlebt hätte. Der Film schildert nun die Seelennöte, die er dadurch bei ihr, aber auch bei sich selber auslöst. Dieser scheinbare Verlust steht zwischen den Eheleuten und bestimmt das weitere Schicksal ihrer kleinen Familie. Das Mädchen mit Down-Syndrom wächst unterdessen behütet, aber mit einer kämpferischen Mutter für die Recht ihre Tochter im Rahmen ihrer Möglichkeiten auf. Der Film zeigt die weitere Geschichte der beiden Zwillingsgeschwister, die voneinander nichts wissen, bis weit in die 80iger Jahre hinein....
Es war keine Boshaftigkeit, die den Arzt zu seinem Entschluss veranlasste, sondern leidvolle eigene Geschichte. Sein zunehmendes schlechtes Gewissen und seine Zweifel, ob der Richtigkeit seines Entscheidung lassen ihn über die Jahre nicht los. Und der Keil, den er mit seiner Unaufrichtigkeit zwischen sich und seine Frau geschlagen hat, schlägt Wurzeln und lässt mehr und mehr Entfremdung zu.
Die Geschichte kommt für meine Begriffe glaubhaft herüber. Am Schluss besteht Gefahr, dass die Sache ins tränenreich "Kitschige" abstürzt, doch die Kurve wird gerade so nochmals genommen.
Natürlich muss man die Handlung im historischen Kontext sehen. Die Zeiten sind hoffentlich aufgeklärter geworden, so dass man auch einem Kind mit Down-Syndrom ein Lebensrecht und eine Lebensfähigkeit zuspricht.