Manche Dinge sind so perfekt, die bedürfen dem überhaupt nicht, dass man sie kaputt redet oder schreibt, selbst dann nicht, wenn die Sache an sich, um die es geht, kaputt ist.
Und dieses Buch ist krank! Oh nein, das ist keinesfalls abwertend gemeint, ganz im Gegenteil... !
Jordan, der 17-jährige Protagonist dieses Romans, leidet unter einer dissoziativen Störung, ausgelöst durch ein traumatisches Erlebnis, an das er sich aber nicht erinnern kann.
Überhaupt plagen ihn Gedächtnislücken, Fugues - unerwartet verschwindet er plötzlich aus seiner gewohnten Umgebung und taucht irgendwo anders wieder auf, manchmal nach wenigen Minuten, ein anderes Mal nach einigen Tagen, und kann sich nicht daran erinnern, wie er dort hin kam und was er dort machte, wenn er plötzlich wieder Herr seiner selbst wird.
Diese Aussetzer quälen ihn - aber für den Leser seiner Geschichte ist es alles andere als eine Qual ihn durch diese Kapitel seines Lebens zu begleiten.
Dieses Buch ist irre, weil der sympathische Titel-(anti)-held am Rande des Wahnsinns spaziert - und jeder, der auf etwas steht, dass verrückt und zugleich realistisch ist, wird Memory Error" zwangsläufig lieben.
Dieser Roman befasst sich mit so ernsten, schwerwiegenden Themen, wie amnetischen Episoden, selbst verletzendem Verhalten, Essstörungen und gar Missbrauch. Nichts, was man mit Leichtigkeit übergehen oder wegstecken würde. Und dennoch schafft es der Schreibstil der Autorin in all der Verzweiflung einen amüsanten Unterton mitschwingen zu lassen, der stets etwas tröstendes ausstrahlt.
Memory Error" hat zurecht den Status eines Kultbuches verdient!
Obwohl das Buch von einem Jugendlichen handelt, im jugendlichen Ton geschrieben wurde und als Jugendbuch deklariert ist, würde ich es nicht nur junggebliebenen Erwachsenen empfehlen, sondern jedem, der älter ist als 14 Jahre.
Ob nun der Vater über den Jordan ging, Jordan von seinem Vater übergangen wurde oder warum es zu dem Untertitel kam, das kann ich nur jedem anraten selbst herauszufinden.
Der sich zunehmend selbst verlierende Protagonist leitet jedenfalls jeden Leser dazu an, sich ständig auf die neue Suche nach sich selbst zu begeben und alles zu hinterfragen und Antworten nicht einfach bloß so im Raum stehen zu lassen.
Miriam für Hysterika 2009