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31 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Pflichtkauf!!!, 17. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Memories of Murder (Special Edition, 2 DVDs) (DVD)
2003 war ein Traumjahr für den koreanischen Film. Nach dem allseits gefeierten Rachedrama Old Boy und der völlig abgefahrenen Alienjäger-Komödie Save the Green Planet beweist auch der Thriller Memories of Murder die Ausnahme-Klasse des südkoreanischen Kinos. Dem Film eilt der Ruf einer koreanischen Variante von Se7en voraus - was nur sehr bedingt stimmt. Im Grunde wird hier mit so ziemlich jeder Regel des Serienkiller-Films gebrochen. Das koreanische Kino hält sich nun mal ungern an irgendwelche Regeln. Genau das macht die Sache so spannend. Es geht hier nicht um eine Darstellung von Psychologie, Motiven oder Taten des Serienkillers. Ganz im Gegenteil, den Killer bekommt niemand zu Gesicht - weder der Zuseher noch das derangierte, sadistische Polizeipersonal, das hilflos von einem Indiz zum nächsten stolpert, sich in Gewalt- und Verzweiflungstaten ergeht und dem Mörder in Sachen Grausamkeit letztlich nicht viel nachsteht. Da werden offensichtlich Unschuldige mit Fußtritten traktiert, mit dem Kopf nach unten aufgehängt und gezwungen, ihr eigenes Grab zu schaufeln - nur um aus ihnen Geständnisse herauszuprügeln, die das Tonband nicht wert sind, mit dem sie aufgezeichnet werden. Memories of Murder funktioniert auch als Sittenbild eines außer Kontrolle geratenen staatlichen Gewaltapparats, als Abrechnung mit Koreas undemokratischer jüngerer Vergangenheit. Es hagelt böse Anspielungen auf die Zeit der Militärdiktatur der Achtziger Jahre - etwa als den Cops mitgeteilt wird, dass sie keine Verstärkung erwarten können - alle Polizeikräfte werden nämlich in Seoul gebraucht, um Demonstrationen niederzuprügeln... Bis zum Ende weiß man nicht, ob man nun einen harten Cop-Thriller, eine pechschwarze Komödie oder ein niederschmetterndes Drama gesehen hat, das gnadenlos menschliche Abgründe auslotet. Auch formal überzeugt Memories of Murder: Ein spannendes Drehbuch, gute Darsteller, perfekt eingesetzte Musik und hervorragende Kamerarbeit sorgen für eine Atmosphäre, die sich selbst vor David Finchers Se7en nicht verstecken muss. Auch wenn der Vergleich ansonsten hinkt. Aber das hatten wir schon ... Die Special Edition bietet mit insgesamt 294 Minuten Laufzeit reichlich viel fürs Geld: Deleted Scenes, Making of, Interviews etc. etc. Kaufpflicht!
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ländlicher Thriller, 3. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Memories of Murder (Special Edition, 2 DVDs) (DVD)
- so nennt die Regie ihr Meisterwerk. Es wäre ungerecht und ignorant "Memories of Murder" aufgrund seiner Themenverwandschaft mit dem Serienkiller - Subgenre in unmittelbare Verbindung zu bringen - und das hat seitdem vor über 15 Jahren die Lämmer geschwiegen haben, spätenstens aber seit "Se7en", nichts bedeutendes mehr hervorgebracht. Bong Joon-Ho baut seinen Plot ausgehend von einer grausamen Frauen-Mordserie in der südkoreanischen Provinz 1987 auf - die nie aufgeklärt wurde. Auf dieser Basis kommen dann einige bekannte Versatzstücke wie "Buddy - Cop" Mechanismen und konventionelle Spannungselemente zum Einsatz, die in ihrer virtuosen Verwendung aber zeigen: Nicht der Song, sondern der Sänger macht die Wirkung aus. Die Interpretation ist alles. Im flächendeckenden Beziehungsgef(l)echt (exakt gezeichnet zwischen den ermittelnden Polizisten und verallgemeinert in Bezug auf Bevölkerung und Militätdikatatur) wird zuerst mit bösartigem Humor eine provinzielle, diletantische Polizei mit einem Serienkiller konfrontiert, die zweite Filmhälfte aber dem Prädikat eines Spannungsfilms eher gerecht. Während der vielgesehene Kang-Ho Song in einer Glanzleistung die animalischen Seiten seines Dorfpolizisten nach außen kehrt, zerbricht Sang-Kyung Kims Citycop an der - in grandiosen Bildern eingefangenen - Hoffnungslosigkeit der Provinz. Wenn sich die Protagonisten jenseits der Legalität durch Verdächtige prügeln, in der Sauna Ausschau nach Menschen ohne Schamhaare halten oder Wunschkärtchen an Radiosender überprüfen zeichnet der Film ohne seine humane Wärme im Wahnsinn zu verlieren, ein vielfach interpretierbares Gesellschaftsbild in der Militärdikatur. Ob der Epilog nun beunruhigend oder unbefriedigend ist sei dahingestellt, wenn die unwuchtige Maschinerie sich aber zum großen Finale aufmacht, ist ihre Intensität schwer zu übertreffen. Die technische Ader leistet einmal mehr Großartiges, um nur Seoung-Jae Cha(Bittersweet Life, Oldboy)mit einem superben Produktionsdesign und den japanischen (Animé-)Komponisten Tarô Iwashiroô zu nennen. Sehr schöne DVD übrigens.
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wirkt lange nach, 10. August 2006
Ich weiß nicht, warum dieser einfache Kriminalfilm mit einer recht gewöhnlichen und nicht besonders spannenden Geschichte so lange nachwirkt - ich war zwischendurch gelangweilt, manchmal fand ich ihn blöd und das Ende hat mich genervt. Und doch ist es gerade dieses Ende, dass mich jetzt noch, Wochen später, beschäftigt. Dahinter verbirgt sich eine größere Allegorie, ein Bild über das Ergebnis all unserer Mühen, am Ende. Wir wissen nichts von anderen Menschen und der Welt. Und die Blödheit z.B. der Ermittlungsbeamten, die der Film abbildet, die ist wohl real, so ist es wohl wirklich. Eigentlich sollte das nicht überraschend sein, und doch: überraschend ist die unbedarfte Naivität, die dahinter steckt, die belanglose Freundlichkeit, mit der man den Verdächtigen in den Magen tritt, eben weil die Verhältnisse so sind, und wenn sie nicht mehr so sind, lässt man es. Das so zu vermitteln, harmlos und hinterhältig erleuchtend: ein Meisterwerk.
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