Ich gestehe: Ich bin ein begeisterter Leser von George Martin,Guy Gavriel Kay,Tad Williams,Robert Jordan...und eben auch Steven Erikson (ihn vielleicht noch mehr als die vorhergenannten),vielleicht weil sie eine fesselnde Storyline mit etwas mehr Leben erfüllen können als Tolkien,der oft nur das absolut Gute und das absolut Böse kannte,es in ihren Büchern das "Absolute" nicht gibt,sondern nur Grauzonen.
Erikson zu lesen ist nicht einfach.Er vermischt Gut und Böse noch sorgfältiger als Martin.Man muss die Sätze sorgfältig lesen,denn es kann einem passieren,dass sich in einem der Sätze die Auflösung einer Frage versteckt,mit der sich ganze Kapitel vorher beschäftigt haben.Insofern kann ich es verstehen,dass manche arge Probleme mit Erikson haben.Andererseits schreibt Erikson auf einem hohen Niveau.Das betriefft gar nicht mal in erster Linie die Syntax: bei einem Gespräch zwischen Soldaten an der Front,ist es doch relativ selten,wenn man sich mit "mein Herr" anspricht,sondern vielmehr die Geschichte die erzählt wird,der Sprachstil,in dem versteckte Bedeutungen nur so überströmen.
Vielleicht können Sie durch die wenigen Vorbemerkungen meine Kritik an Erikson's Roman (der ohne Zweifel sehr gut ist,ich habe ihn in 3 Tagen verschlungen),besser verstehen.
Erikson setzt da an,wo er mit "Gärten des Mondes" aufgehört hat.Dujek Einarms Heer,welches zu Gesetzlosen erklärt worden ist (Leser von "Deadhouse Gate" wissen es besser),steht dem "Pannionischen Seher" gegenüber,einem Fanatiker,der seine Armeen,in der Kannibalismus ein bewährtes Mittel der Proviantierung ist,nach Norden entsendet.Hier,in der Stadt Capustan,hält eine Söldnertruppe namens "die grauen Schwerter",quasi-religiöser Krieger,die sich dem Gott Fener verschrieben haben,die Stellung,doch es ist nur eine Frage der Zeit,bis Capustan fällt.Einarm marschiert mit seinen alten Feinden und nunmehr Verbündeten,dem mysterösen Caladan Brood,Anomander Rake und deren Truppen nach Süden.
Ganoes Paran,der am Rande der Askendenzie steht,dem Weg,den Sterbliche gehen,wenn sie zu Göttern werden,sieht sich einer tiefen Unruhe ausgesetzt.Seine Geliebte Flieckenseel ist wiedergeboren,doch in ihrem neuen Körper streiten zwei Seelen miteinander.
Elster versucht,trotz des Krieges ,eine Art von Humanität zu wahren,etwas,was die malazanischen Streitkräfte immer ausgezeichnet hat,neben ihrer unglaublichen Disziplin.
Und man erfährt,das Toc der Jüngere überlebt hat,und nun mit dem Imass Tool,einer mysteriösen Magierin und drei ihrer Diener,die ganz nebenbei zu den gefürchtesten Assasinen der Welt gehören und von der Magierin gezwungen werden ihr zu dienen,auf dem Weg zu Dujeks Heer ist.
Viele Geheimnisse werden gelüftet,man erfährt mehr über die Jaghut und die Imass,auch einiges über die Vorgeschichte dieser faszinierenden Welt,in der Götter von Sterblichen getötet werden können und Magie kuriose Formen annimmt.
Die Handlung ist gewohnt düster,sicherlich nichts für schwache Nerven und hoch vertrackt.Das Besondere ist,dass nun der wohl eigentliche Hauptfeind aller eingeführt wird,der "Angekettete Gott",der vor Tausenden von Jahren gefangen wurde und anscheinend nicht von dieser Welt stammt.
Die Handlung verläuft parallel zu der von "Deadhouse Gate" (Das Reich der Sieben Städte,Im Bann der Wüste),und damit verbunden kommt mein Hauptkritikpunkt: das Buch erzählt einfach einen viel zu großen Handlungsraum."Vast Scope" sagte Donaldson zu seinem Kollegen Erikson,und das ist es in der Tat.
Wo jedoch in "Deadhouse" eine fantastischer Haupstrang,eine der besten Erzählungen die ich überhaupt je gelesen habe (und ich lese mit Verlaub nicht nur Fantasy,bei Leibe nicht),den Kern bildet,nämlich Coltaine und sein Versuch,50,000 Menschen das Leben zu retten und dabei selbst den höchsten Tribut zahlt,wird in "Memories" eine tolle Geschichte erzählt,die leider,leider viel zu breit gefächert ist.
Nicht falsch verstehen: das Buch ist hervorragend,im Fantasybereich zählt es sicherlich mit zu den Besten,ABER: er ist kein "Deadhouse",wo man fast schon über das Schicksal Coltaines verzweifelt.Mir persönlich ging es wenigstens so,und so etwas passiert mir wirklich selten.
Ich habe die Illias in Versen gelesen,fiebernd Dantes "Göttliche Komödie" verschlungen,mit Begeisterung Haldeman's "Forever War" und noch vieles mehr gelesen...aber ich habe wirklich,ohne Übertreibung,nie beim Lesen eine derartige Bedrückung wie beim Ende von Deadhouse verspürt.Ein fantastisches Buch.
"Memories" ist ein wirklich gutes Buch,aber es täte Erikson's "Malazan Book of the Fallen" Zyklus gut,beim nächsten Mal ähnlich wie in Deadhouse zu verfahren,und eine breitere Haupthandlung zu integrieren..das Erikson das kann,und wie packend,bewies er bereits.