Eugène François Vidocq ging als Mann mit den hundert Namen und Pionier der modernen Kriminalistik in die Geschichte ein. Sein abenteuerliches Leben inspirierte Schriftsteller wie Balzac, Hugo und Dumas, denn jede einzelne seiner Lebensstationen böte leicht Stoff für mehrere Romane: Gefürchteter Fechter und Duellant, verurteilter Krimineller, notorischer Ausbrecher, Freibeuter, Soldat, Deserteur, Gaukler, Frauenheld, Polizeispitzel, Detektiv, bahnbrechender Kriminalist, erster Chef der Sûreté Nationale und schließlich Bestsellerautor, umgab ihn schon zu Lebzeiten ein legendärer Nimbus. Seine unorthodoxen Methoden nahmen vorweg, was heute als Undercover-Einsatz, Ballistiktest und datenbankbasierte Ermittlung zu den Standards moderner Polizeiarbeit gehört. Vidocqs Memoiren waren ein überragender Erfolg. Begeisterten sich zeitgenössische Leser vor allem für die spannenden Abenteuer in der Pariser Unterwelt, so hält der heutige Leser mit diesem Buch nicht nur das faszinierende Zeugnis eines bewegten Lebens in den Händen, sondern darüber hinaus das bunte Sittengemälde einer versunkenen Epoche, die schon nicht mehr dem adligen und noch nicht ganz dem bürgerlichen Zeitalter zugehörte. Der vorliegenden Ausgabe liegt Ludwig Rubiners meisterhafte Übersetzung aus dem Jahre 1920 zugrunde.


