Eloquent und stets aufrichtig schildert Simone de Beauvoir in ihrem Werk "Memoiren einer Tochter aus gutem Hause" die Geborgenheit ihrer Kindheit, die Unsicherheit in ihrer Jugend und schließlich ihren durch Neugier und Ehrgeiz ermöglichten Weg zu einer Denkerin, deren Erkenntnisse mit steter Nachhaltigkeit unsere Gesellschaft beeinflussen sollten. Von größtem Interesse war beim Lesen dieses sehr unterhaltsamen aber auch zum Nachdenken anregenden Buches Simones Konflikt mit der patriarchalischen Gesellschaft Frankreichs nach der Jahrhundertwende, der sich zunächst im Konflikt mit ihrer Familie, die mit Simone durchaus andere Pläne als eine akademische Laufbahn hatte, äußert. Doch dies ist nur einer der Aspekte in Simones Leben, die in diesem Werk ausführlich thematisiert werden. Weiterhin waren für Simone de Beauvoir Freundschaften mit später berühmt gewordenen Persönlichkeiten wie Jean Paul Sartre, sowie ihre eigenen Erfahrungen mit Literatur und dem Leben in Paris von großer Bedeutung. Von ihrer Umgebung aufgrund ihrer unkonventionellen Art häufig mit Argwohn betrachtet, musste Simone früh erkennen, dass sie niemals in die gutbürgerliche Gesellschaft Frankreichs hineinpassen würde.
Für alle ,die sich mit dieser Philosophin, deren Erkenntnisse nicht nur den Feminismus, sondern auch das Bewusstsein vieler Menschen entschieden voranbrachten,schon immer beschäftigen wollten, ist "Memoiren einer Tochter aus gutem Hause" Pflichtlektüre. Aber auch leser, die die sprachlich beeindruckende Schilderung eines interessanten Lebens schätzen, werden sich an diesem Werk erfreuen. Mir hat dieses überraschend persönliche Werk die distanziert wirkende Ikone Simone de Beauvoir jedenfalls deutlich näher gebracht.