Das, was dieses Buch auszeichnet, sind sicherlich nicht die stilistischen Fähigkeiten seiner Autorin, die sich bei ihren autobiographischen Erzählungen nur allzu häufig wiederholt, was gewisse alltägliche Abläufe aus ihrem Leben als Madame und als kleine Prostituierte in einem Hurenhaus anbelangt. Neben diesem doch sehr negativ auffallenden Manko hinterließ irgendetwas an Ms. Kimballs Erzählweise bei mir beinahe über die gesamte Länge des Romans -ausgenommen den Teil, wo sie über ihre Kindheit und frühe Jugend berichtet- den Beigeschmack mangelnder Authentizität. Auch wenn dieses Gefühl vollkommen unbegründet sein mag, so störte der als Folge der latenten emotionslosigkeit der Autorin aufkommende Zweifel am Wahrheitsgehalt der beschriebenen Geschehnisse das Lesevergnügen doch erheblich, da die Intention zur Lektüre eines solchen Romans, zumindest was mich angeht, weniger in dem Interesse an der detaillierten Schilderung einzelner, äußerer Abläufe im Leben einer Prostituierten bestand, sondern ich mir auch gewisse Einblicke in das innere Empfinden einer solchen Person gewünscht hätte. Dies kann man allerdings der Autorin nicht unbedingt negativ ankreiden, da sie nach ihrem beschrieben Eigenverhalten nach zu urteilen schlicht und ergreifend auch relativ emotionslos gelebt hat. Was besser gelungen ist, sind ihre Beschreibungen über die Zusammenhänge zwischen Prostitution, Unterwelt und Politik, obwohl ich mir auch hier weniger Wiederholungen (Kimball erwähnt beispielsweise mit erstaunlicher Ausdauer immer wieder aufs Neue, daß Politiker Korrupt seien) und etwas mehr Details gewünscht. Etwas nervig sind auch die mit gewisser Regelmäßigkeit erscheinenden philosophischen Ausführungen der Autorin, die trotz ihres Alters recht Naseweis erscheint und sich auch immer sofort selbst einschränkt (...aber ich bin keine gebildete Frau o.ä.) und somit ihren Überlegungen die Connotation von etwas Unnötigem verleiht, womit sie meiner Meinung nach nicht unbedingt falsch liegt, da Erkenntisse dieser Art -bei uns Bauernweisheiten genannt- heutzutage nicht mehr unbedingt nach Publizierung verlangen. Auch wenn diese Renzension sich vielleicht etwas negativ liest, so denke ich doch, das das Buch angesichts der guten ersten Hundertfünfzig Seiten und der interessanten Thematik allemal für jemanden, der sich ein Bild über die Zeit um 1900 herum und das Leben von Prostituierten und ihren Stand in der damaligen Gesellschaft machen möchte, allemal Lesenswert ist.