Mit seiner geballten Lebenserfahrung ist er uns immer wieder ein Vorbild für alle Lebenslagen. Nach den Überlebenstipps für Weltreisende ("Globus Dei", 2005) schlüpft Helge Schneider dieses Mal in die Rolle des Heiratsschwindlers Rodriguez Faszanatas. Da dieser seinen echten Namen "aus Sicherheitsgründen" meidet, flirtet er auch schon Mal als Bauunternehmer Pepe Gimenez mit der Gräfin von Bordeaux, spielt als Claudio Manu de la Plates Arrivan in der Fußgängerzone Folklore und gibt vorsichtshalber die Adresse von König Juan Carlos an. Der professionelle Frauenschwarm aus Barcelona ist in der halben Welt unterwegs auf der Suche, "ob es nicht etwas zu heiraten gibt" und verstellt sich dabei so gut, dass er beim Metzger ein Zusatzkotelett bekommt und von reichen Witwen ihr ganzes Erbe. Weil es in Helge Schneiders Büchern immer mal wieder martialisch zugeht, wird auch nicht nur der Vermieter zersägt, sondern durch glückliche Zufälle auch schon Mal ein weibliches Opfer bei der Mittelmeerkreuzfahrt kurzerhand durch den Sturm vom Deck gefegt. Immerhin gibt es ja auch posthume Eheschließungen. Und auch, wenn Rodriguez Faszanatas in Österreich mal auffliegt, weil seine aktuelle Herzensdame nicht geglaubt hat, dass er ein Neffe von Sissy ist, so bleibt er seinen Prinzipen treu: "Petting, ja. Aber kein GV." Alle Klischees des Heiratsschwindelns werden gnadenlos aufgegriffen und herzerfrischend oberflächlich ad absurdum geführt - ein falscher Bart, ein falscher Buckel und ein unterschriftsreifer Blanko-Ehevertrag in der Westentasche. Ohne besonderen Tiefsinn wandelt Helge Schneider zwischen sinnfreien Abschweifungen und grotesken kleinen Alltagsgeschichten, die so sicher noch keinem passiert sind. Typisch Helge Schneider: die Inhalte sind genau so verquert, wie die Sprache anarchistisch ist, wenn z.B. Herrn Faszanatas in besonderen Gefahrensituationen schon Mal "die letzten Jahre im Schneckentempo durch den Kopf" laufen. Dass man als Leser von genialen sprachlichen Schenkelklopfern nicht ganz so häufig überrumpelt wird, wie noch im Vorgänger "Globus Dei", verzeiht man dem Meister des guten Geschmacks. Trotzdem ist das Büchlein wie immer eine Helle Freude - das gilt auch für die wahnsinnig hilfreichen begleitenden Zeichnungen mit vielsagenden Titeln wie "Frau" und "Hund". Knapp 125 Seiten in nicht gerade kleiner Schrift sind nicht viel, reichen aber für die Zeitreise vom kleinen Rodriguez, der die Mama mit Onkel Ricardo erpresst bis zum Ausblick aufs Altenheim und sind dem Preis durchaus angemessen.