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5.0 von 5 Sternen
Beeindruckende Persönlichkeit, 10. Juli 2002
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Memoiren (Taschenbuch)
Am 22. August begeht Leni Riefenstahl, die wohl umstrittenste deutsche Künsterin, ihren 100. Geburtstag. Betrachtet man ihr Leben von den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bis heute, dann erfährt man viel über unser Land. Zeitlebens hat sie sich dazu bekannt, daß sie einst von Hitler begeistert war. Sie hat zugegeben, daß sie, wie viele Millionen anderer Deutscher und Österreicher, verblendet war.
Wegen ihres Parteitagsfilms "Triumph des Willens" und Ihres Olympiafilms "Fest der Schönheit" wird ihr in Deutschland bis heute die ihr zustehende künsterische Anerkennung verweigert. Das liegt wohl daran, daß sie sich bis heute weigert, eine persönliche Schuld anzuerkennen.
Leni Riefenstahl besteht immer noch darauf, daß ihr künsterisches Wirken von einer etwaigen politischen Verantwortung strikt zu trennen sei. Aus diesem Grunde könne sie sich auch nicht entschuldigen. Andere Künstler, die auch ihre "Berührungen" mit den Nazis hatten, wie Heinz Rühmann, Luis Trenker, Marianne Hoppe und Gustav Gründgens verhielten sich nach dem Umsturz "aalglatt" und und schafften nahtlos den kulturellen Sprung in die Zeit des Wirtschaftswunders. Selbst der Regisseur des unsäglichen Propagandafilms "Jud Süß", Veit Harlan, wurde dagegen von Presse und Öffenlichkeit fast wie ein "Gentleman" behandelt. Weil Leni Riefenstahl ein Schuldeingeständnis verweigerte, gab man ihr auch keine "Entlastung".
Die Frau und Künsterin Leni Riefenstahl gehört zu den beeindruckensten Persönlichkeiten des vergangen Jahrhunderts. Sie war Tänzerin, Skiläuferin, Bergsteigerin, Taucherin, Regisseurin und Photographin. Ihr Lebenslauf und ihre Schaffenskraft verdienen Respekt und Bewunderung.
Unverkrampfter begegnet man Leni Riefenstahl im Ausland. Das hat sie auch mit Ernst Jünger, der auch über 100 Jahre alt geworden ist, gemein, dessen überragende Künstlerperson im Geruch des Herrenmenschentums stand.
Zum 100. Geburtstag wünsche ich Leni Riefenstahl, daß ihr in Deutschland noch zu Lebzeiten die ihr zustehende Anerkennung zuteil wird.
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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Vorsicht Suchtgefahr, 20. Juni 2001
Rezension bezieht sich auf: Memoiren (Taschenbuch)
Ich habe mir wegen dieses Buches mehrere Nächte um die "Ohren geschlagen". Was diese Frau erlebt und erlitten hat, füllt 3 Leben aus. Herzlichen Glückwunsch Deutschland. Frau Riefenstahl wurde im Ausland, auch nach dem Krieg, gefeiert und in Deutschland der Nachkriegszeit als Regiesseurin systematisch vernichtet. Die Bekanntschaft mit Hitler hat ihr letztendlich das Genick gebrochen und wir haben eine der größten Regisseurinnen des 20. Jahrhunderts verloren. Schade.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Spannend geschrieben und geschichtlich interessant, 21. August 2002
Rezension bezieht sich auf: Memoiren (Taschenbuch)
Wer sich für die Weimarer Zeit und das Dritte Reich interessiert, wird die fast 1000 Seiten im Nu gelesen haben.
Im Gegensatz zu manchen anderen Lesern finde ich, daß Leni Riefenstahl die einzelnen Stationen ihres Lebens von verschiedenen Standpunkten aus schildert und auch mit Kritik an sich nicht spart.
Es ist fesselnd, mit ihr eine Jugendliche in Berlin zu sehen, die voller Tatendrang und Illusion die kulturelle Welt erobern will. Zuerst Tanz, dann Bergfilme (die damals einen avantgardistischen Ruf hatten) unter Arnold Fanck, ein eigener Film, Triumpf des Willens, Olympiade, der schwierige steinige Weg in das Wirtschaftswunderland BRD, die vielen Reisen ins europäische Ausland.
Als Frau wird man sich unschwer mit der Person der Riefenstahl identifizieren können und ihren Schilderungen als junge Frau etwas in den Zwanziger und Dreißiger Jahren kulturell auf die Beine zu stellen. Nach ihren Angaben war "Triumpf des Willens" ein widerwillig angenommenes Auftragswerk, der für die Riefenstahl typische Ehrgeiz lies sie allerdings einen suggestiven Propagandafilm erster Güte machen. Manchmal übersieht man in einigen selbstmitleidigen Sätzen leicht die Worte, die durchaus eine Verantwortung und Einsicht für ihren Teil an der fatalen Propaganda reflektieren. "Triumpf des Willens" ist z.B. der Lieblingsfilm von Mick Jagger.
Besonders interessant (auch für den Historiker) sind die Schilderungen über die Treffen mit Hitler, Goebbels (ein Feind der Riefenstahl nach ihren Angaben), Mussolini und die Schilderung von Kulturellen Größen wie Hans Albers oder Marlene Dietrich aus ihrem privaten Blickwinkel. Nach ihren Angaben war Hitler an der OLympiade kaum interessiert oder präsent, da (z.B. mit dem Publikumsliebling Owens) seine rassistischen zusammengeschusterten Ideen ihm mit den Ergebnissen der internationalen Goldmedaillen etwas zu entgleiten schienen. Riefenstahl ist aber noch viel mehr wie Olympiade und Triumpf ... >Ein wirklich fesselndes Buch über die Geschichte einer Frau und eines ganzen Jahrhunderts mit Schwerpunkt der zwanziger und Dreißiger Jahre.
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