Das Buch entstand 1748. Erstaunlicherweise ist es von einem Mann geschrieben worden, der den Inhalt beschönigt und ein gänzlich anderes Bild der Bordelle zeichnet, als das was man heutzutage oder auch in der Vergangenheit hört/sieht/... Die letzten Worte geben hierfür eine Erklärung ab. Nichtsdestotrotz hagelt es förmlich an subjektiven Meinungen des Autors zu verschiedenen Themen wie physisches Aussehen, Moral, Geschmack und der allgemeinen Lebensumstände.
Es sind nicht wenige Ungereimtheiten in der Geschichte und sie hat eine Naivität, die einem Märchen gleichkommt. Das Ende bestärkt dieses Gefühl nur noch: armes Landmädchen kommt in die große Stadt und erhält zum Schluß das für den Autor Erstrebenswerte: Reichtum und die Liebe (und Ansehen).
Zugegebenermaßen ist das englische Original weitaus besser als die deutsche Übersetzung, aber trotzdem ist das Hören des in Briefform gefaßten Inhaltes unterhaltsam.
Die Specherin paßt zu der antiquierten Sprache. Hätte man mehr Emotionen in das Lesen gelegt, würde sich der Inhalt komplett anders anhören, sich vielleicht ins Obszöne begeben und die leichte - quasi elegant anmutende - poetische Sprache - untergehen lassen. So aber scheint sich eine Unschuld durch das Werk zu ziehen, welches sich mit dem Inhalt - von außen betrachtet - nicht deckt.
Fazit: ein Klassiker, empfehlenswert für ein paar ruhige Stunden.