2009 hat der normal bei Texta festangestellte Rapper Martin Skerwald, den man als Texta Fan wohl besser unter seinem Alias Skero kennt, sein Debüt vorgelegt. Lange hat es gedauert, immerhin gibt es Texta schon seit 1993 bzw. war 1997 das 1. Release. Aber egal, jetzt hat es gepasst, und es ist mehr als gelungen, ich kann gar nicht weniger als Höchstwertung geben, so muss Musik klingen, mehr Inhalt, den ich verstehe (höre wenig deutschsprachige Musik) und der zum Nachdenken anregt habe ich im Jahr 2009 nicht gehört. Aber zur Detailanalyse:
1. "Kurze Pause, dass ich das Mikrofon auf meine Höhe umstelle" heißt es im Intro. Das bezieht sich nicht nur auf die beachtliche Größe des Protagonisten, nein, damit ist auch das hohe Niveau gemeint, mit dem uns der Texta-Rapper in den nächsten 65 Minuten verwöhnen wird.
2. Solo: Ja, leider sind seine Texta-Kollegen Huckey, Laima und Flip nicht dabei, aber da brauchen wir uns keine Sorgen machen, Skero schafft das auch alleine. Tackernde Beat mit einem Ohrwurm-Chorus, sehr fein, hier wird erklärt, um was es bei der Platte geht.
3. Fuß Vom Gas (feat. Kamp): Welt! Das Video war vorab schon länger bei Youtube zu sehen, sehr fett, richtig dicker Beat, langsam gehalten, derbe Streicher, style Lyrics, selbst die Massiven Töne haben mit "Cruisen" das Nachsehen! Nur gute Laune! Kamp brennt ein Feuerwerk ab und disst mal eben ein paar prominente Persönlichkeiten im quasi Vorbeifahren. Sehr fett, sicher das Highlight - aber kenie Panik, da kommt noch was! ^^
4. Schicksale Der Nacht: Also diese Nummer muss ich oft skippen. Nein, nicht wegen mangelnder Qualität, die ist 1A, sondern weil sie so depri ist, aber leider so war. "Es is ois gor net woar, wos in einer Nocht passiert. Es is net amoi so weit, es passiert vor deiner Tür." Harter Text, aber leider die bittere Wahrheit. Schon fast zuviel schonungslose Ehrlichkeit, natürlich kein Vorwurf, so soll Hip Hop auch sein, aber mir haut das immer wieder auf den Magen.
5. Künstler: Jetzt aber wieder Sommer, Sonne und Reime von Skero! Ein gute Laune Reggae-Beat! Künstler! Was macht einen Künstler aus, was nicht? Das sagt uns der etwas ältere Herr hier. Schöne Nummer!
6. Dookie Rope Chain (Skit): Ist auch das einzige Skit, man kennt das ja zur Genüge: Da wird ein Album mit 5-7 Skits zugepflastert und die Trackanzahl sinkt rapide. Nicht bei Skero. Wobei es etwas störend ist, dauert über 2 Minuten, Skero will eine coole Gangster-Kette kaufen.
7. Kabinenparty (feat. Joyce Muntz): Party! Yeah! Wir sind im Schwimbad und es geht ab. Einfach nur geil! Der Gitarrenriff passt einfach 1A rein, sehr geile Lyrics und gute Laune hoch 10. Manche fahren auf Urlaub, andere machen Kabinenparty. ^^ Sehr fein!
8. Männer: Ich bin einer von ihnen. :D Allerdings finde ich den Beat etwas zu seher auf Elektro-Hip Hop getrimmt, nix gegen Skero, auch die Lyrics gefallen mir nicht so, handelt halt von den Klischees, was einen echten Mann ausmacht oder eben nicht.
9. Fuaßboi: Das ist mehr meine Kragenweite, ein unglaublich fantastischer Pianobeat, also nicht das was man durchaus erwartet, nein, das ist einfach unbeschreiblich! Hörts euch das an! Skero schildert packend ein Fußballspiel - so wie Texta auf "Paroli" schon mit "Die Faust" einen Boxkampf zum Mitfiebern rappten. Klasse Track!
10. Levin: Ist eine traurige Nummer, ein Freund von Skero starb in einem Unfall. Sehr bewegend, macht einen wirklich traurig, toller englisch gesungener Refrain von Skero. Sensationell - wenn auch nicht für die Dauerroation empfehlenswert.
11. Grafflove (feat. Schnke Mc, Schwarzfahrer): Der Beat ist zwar sehr modern, aber macht ordentlich was her. Hab ich schon ewig im Kopf. 2 Rapper Unterstützen Skero hier, einmal auf English, gleich die 1. Strophe, und den Text versteht man richtig gut. Geht in Kurzfassung um Graffitis, und das nur die Künstler selber wissen, was sie malen, dem Rest bleibt die Idee verwehrt, sie tun es als Geschmiere ab. Alle Parts sind sehr gelungen, gefällt mir, richtig toll, eines der Highlights!
12. Moch Da Kann Kopf (feat. Kayo): Der Beat ist leider eine 1:1 Kopie eines zumindest mir bekannten Songs, der Text ist gut, aber der Beat halt leider nicht ganz so gut wie er sein könnte, hätte man auch anders lösen können. Aber ich gewöhne mich dran und es wird schon werden.
13. Wert: WAS FÜR EIN BEAT! Also selten was Geileres gehört! Skero singt und rappt dann "zu diesem souligen Beat". Ist wohl seiner Freundin gewidmet, richtig Gänsehautverdächtig! Und was für ein Refrain, der ist nämlich sehr neutral gehalten, also kann man auch seinen Liebsten widmen.
14. Gwissn: Der Beat liegt mir nicht, sorry, langweilig. Lyrics sind okay, Chorus etwas besser. Macht nix, eigentlich der einzige Ausfall.
15. Ham: Okay, der Beat ist einfach...ich glaub das kann ich jetzt mit Worten nicht beschreiben, müsste gesetzlich verboten werden, ist nicht normal, wirklich nicht, so was kriegt man nie wieder aus seinem Kopf raus, für die Ewigkeit. Skero singt diesmal völlig entspannt. Einfach herrlich! Großartig! Zeigt Skero's Talent! Denn wo ich bei Samy Deluxes und Dennis Lisks Gesangsversuchen so mehr als Probleme hatte, rockt Skero einfach!
16. Wien: WOW! Die österreichische Hauptstadt kriegt eine geniale Hymne gebastelt! Wieder mal ein Wahnsinnsbeat, ein toller Gitarrenbeat, hat was südländisches, aber da ist Österreich eigentlich nicht daheim. Toller Chorus mit Klarinette (erinnert mich an Dido's "Honestly OK"), das ist für mich Musik für Jahre, also so einige Nummern auf diesem Album werden an die vielen Texta-Klassiker anschließen können, denn es gab ja auch schon ein paar Solonummern auf den verschiedenen Alben.
17. Schritte (feat. Wisdom): Ist seltsam. Weil eine computerveränderte Stimme den Refrain singt, was ich eigentlich nicht mit Texta assoziiere. Der Rapstil ist sehr mit Huckey's "Gegenwind" gleichzusetzen. Ist nicht mein Lieblingstitel hier, hat aber neben einem guten Gastrapper auch ein paar hübsche Stellen.
18. Ursula Lee (feat. Ohvo, Markee): Hat einen großartigen mystischen Beat. Ohvo und Marquee haben schon auf "Gegenüber" überzeugt. Leider weiß ich nicht wer oder was "Ursula Lee" ist, aber das macht den Track nicht schlechter, sehr nachdenklicher Text, den man nicht sofort versteht, einfach mal konzentrieren und hinhören. Starker Abschluss.
Was soll ich sagen? Das war spitze! Skero rockt einfach! Solo und kein bisschen leiser! 17 Titel, 67 Minuten Spielzeit, geile Beats, sehr fähige Gastrapper, sehr abwechslungsreich, sehr verschiedene Themen, sehr intelligente Texte, sehr ehrlich, oft gerappt, aber mal gesungen, mal auf Hochdeutsch, doch mit einem gesunden Dialektanteil. Also ich bin sprachlos, selten so ein geiles Soloalbum gehört, das kaum Längen hat und selbst die 2-3 weniger gelungenen Titel sind noch mindestens Durchschnitt. Highlights: "Fuß vom Gas", "Künstler", "Kabinenparty", "Fuaßboi", "Levin", "Grafflove", "Wert u. Ham" und "Wien".