Als ich im zarten Alter von 16 Jahren "Interview mit einem Vampir" und "Der Fürst der Finsternis" in die Hände bekam, stellten die Romane für mich eine Art Offenbarung in Sachen Horror-Literatur dar. Ich war verzaubert von Anne Rice's Schreibstil, den schillernden Charakteren und der dunklen Romantik, die sich von der ersten bis zur letzten Seite durch die gesamten Geschichten zog.
"Königin der Verdammten" empfand ich schon als leicht "abgedreht", samt ewigen Rückblenden (leider die Rice-"Krankheit" schlechthin-die Gute meidet lineare Handlungsstränge wie der Vampir die Sonne) und Charakteren, deren Fähigkeiten durch die Decke gehen.
Wo mich "Nachtmahr" mit den Schwächen der "Chronik" versöhnte, sorgt "Memnoch"-bei aller Liebe zu Lestat und Co- nur noch für Schüttelfrost.
Größer, mächtiger, mehr....Logik? Die sucht man vergebens, genau wie einen Spannungsbogen. Nach der übermächtigen ägyptischen Vampir-Urahnin müssen als letzte Steigerung jetzt also Gott und der Teufel persönlich herhalten.
Lestat wird vom unwiderstehlichen Gentleman-Schurken zur zerrissenen, tragisch-überhöhten Dramengestalt, deren Schicksal mich seltsam kalt ließ.
Auch der blumige, der mich in den früheren Bänden in seinen Bann zog, wirkt nur noch schal und abgedroschen-Gothic-Pathos at its best.
Meines Wissens nach ist Mrs. Rice inzwischhen zur glühenden Katholikin geworden, vielleicht eine Erklärung, aber keine Entschuldigung für den pathetischen Mumpitz, den die Dame hier abliefert.
"Memnoch" ist der traurige Höhepunkt einer Romanserie, diezur Parodie ihrer selbst verkommen ist.