Dieser Klassiker der englischen Literatur aus dem Jahr 1959 schildert einen Reigen sehr alter Persönlichkeiten aus der upper middle class und ihrer Art und Weise, sich dem Altsein zu stellen; bis heute frisch und aktuell, hintergründig, unterhaltsam, unsentimental, makaber, mit Tiefgang und dabei versöhnlich. Er berichtet in nüchterner, schlichter Erzählweise, die leider recht holperig übersetzt ist, mit vielen sehr gut beobachteten Details, Demenzen und Altersdefekte, Redeweisen und Bosheiten bei den Colstons - Godfrey, der unter krankhaftem Geiz leidet, seine demente Frau, eine frühere Romanschriftstellerin, seine hartherzige Schwester Dame Lettie, die einfache, gütige Hausangestellte Mrs. Antony - sowie von zwölf Insassinnen einer Pflegeabteilung, ihren witzigen Beschäftigungen mit Testamenten und Horoskopen, und von weiteren ebenfalls uralten Freunden und Bekannten. Eine handfest spannende Handlung mit Krimi-Elementen - ein anonymer Anrufer, Erpressung, Bigamie, Raubmord - transportiert sehr gut die unausgesprochen aufgeworfene metaphysische Frage, ob die Art und Weise, die letzte lebenszeit zu erleben, Konsequenz des ganzen - gestörten oder harmonischen - Lebens ist. Übeltaten erscheinen als Irrtümer, hervorgerufen aus Angst um das eigene Wohlbefinden, Rachedurst, Eifersucht. Das Böse ist komplex, es braucht viel Energie, Nachdenken, Nachforschen, intellektuelle Bemühungen, die nie befriedigend zu Ende geführt werden können. Das Gute tritt dagegen ganz schlicht auf, als einfache Geduld und Hilfsbereitschaft, die nicht fragt und forscht, die ohne erzieherische Taktik und Korrektur-Massnahmen auskommt. Diese typisch britische Ansicht wird überzeugend vermittelt. Unbedingt empfehlenswert!