Für alle, die lieber mit einer Pferdekutsche in die Stadt fahren statt mit dem Auto, die Kerzenlicht Glühbirnen vorziehen und ihre Söhne verprügeln um sie zu Männern zu machen ist dieser berühmte Roman, ein Klassiker der Weltgeschichte wohl passend. Für mich wirkte er, ich kenne jetzt nur die Hörbuchfassung, antiquiert und verstaubt. Mag es an der altertümlichen Sprache der Übersetzung oder dem getragenen stil des Sprechers Dieter Wien liegen.
Memed, ein Bauernjung ist von Kindertagen an der Willkür des bösen habgierigen Großgrundbesitzers Abdi Aga ausgesetzt, der seine Mutter und später auch seine Geliebte Hace drangsaliert und tötet. Voller Grimm und Wut nimmt er Rache. Das ist alles sehr archaisch und blutrünstig, die Gottlosen" können massakriert werden und wenn dabei auch mal ein ganzes Dorf abbrennt- was soll es - wenn es doch auf Seiten des Bösen stand. Wie ein türkischer Robin Hood bekämpft Memed aber nicht nur die Bösen, sondern hilft den Armen und Unterdrückten, die in ihm dann den Held und Erlöser sehen. Die schwarz-weiße Schilderung lässt den Hörer eigentümlich kalt, so dick sind die Klischees aufgetragen, so verschlagen ist der Feind, so edel der Held. Für unsere neue postmoderne Ästhetik passen diese großen Erzählungen nicht mehr, wirken sie doch wie einer Verherrlichung des Terrors. Interessant bleiben die Eindrücke in eine andere Kultur. Kemal stammt aus Adana, dort also auch, wo die Geschichte spielt und er hat sicherlich viele alte Geschichten vom freien Banditentum in seinem Roman einfließen lassen können.