Eine wirklich besondere Aufnahme. Junghänel zeichnet ein ganzheitliches Bild des Stückes (bzw. des leidenden Jesus am Kreuz), was bereits darin deutlich wird, das die Aufnahme die sieben "Bilder" oder Szenen nicht nochmals unterteilt (z.B. in Chorus, Arie, usw.), sondern jedes Bild für sich geschlossen darbietet. Das mag manchmal etwas störend sein, etwa, wenn man eine bestimmte Stelle hören möchte, aber ich empfinde es als bereichernd, da die Wirkung eines 8 Minuten Stücks einfach eine andere ist, als die einer 50 Sekunden-Passage. Entsprechend wenig effektheischend ist die Aufnahme auch musiziert, so dass ein geradezu intimer Charakter entsteht.
Die technische Ausführung ist auf gewohnt hohem Cantus-Cölln Niveau, auch was die solistischen Parts betrifft. Und wer nun einwendet, Cantus-Cölln musiziere hier und da etwas uninspiriert - ein Gedanke, der durchaus naheliegt, wenn man sich andere Interpreten anhört - der frage sich, ob das Ensemble derartiges nicht beherrscht oder es einfach nicht wollte in diesem Stück. Ich tendiere zu zweiterer Ansicht, was eben nichts mit langweiligem musizieren zu tun hat, sondern mit einer intendierten Gesamtaussage des Stückes. Hier haben sich die Interpreten anscheinend wirklich Gedanken gemacht, was sie (und Buxtehude?) aussagen wollen.