--- Vorwort ---
Was war ich aufgeregt, als ich letzten Juli in einer Fernsehzeitschrift gelesen hatte, dass der deutsche Pay-TV-Sender FOX die wahrscheinlich bekannteste Soap der 90er MELROSE PLACE wiederholen möchte. Ich war in etwa genauso betrübt darüber, dass die Sendestation im Dezember entschied den Klassiker nach der vierten Staffel aus dem Programm zu nehmen. Gerade, wo es doch so spannend wurde und sich eine Figur im wahrsten Sinne des Wortes den Weg aus ihrem Grab bahnt... Zum Glück hat Paramount im Vereinigten Königreich die fünfte Staffel von MELROSE PLACE auf DVD veröffentlicht. Zwar muss ich jetzt auf den amerikanischen Originalton umsteigen, aber dafür sollen zweiunddreißig weitere Folgen meinen täglichen Hunger nach Nachmittagsdramen vorerst stillen.
--- Handlung ---
Los Angeles ist der Schauplatz großer Dramen. Die Bewohner eines ansehnlichen Appartementkomplex, das am Melrose Place liegt, können ein Lied davon singen. Dabei sind es doch meistens sie selbst, die sie verursachen. Wie es in Soaps an der Tagesordnung steht, wird auch in dieser Serie täglich intrigiert, was das Zeug hält. Paare werden auseinandergebracht und neu formiert und der Kampf um prestigeträchtige Arbeitsplätze wird nie aufgegeben. Praktisch jeder hatte da schon was mit jedem... zu tun. Es gibt immer einen Punkt im Handlungsverlauf, wo die schönen und gebräunten Anwohner ihr wahres Gesicht zeigen und Frauen manipulative Biester und Männern gemeine Bastarde werden.
--- Kritik ---
Wer Serien wie DALLAS, DENVER CLAN oder GOSSIP GIRL kennt und gerne schaut, der weiß, was einen bei MELROSE PLACE erwarten wird: ein weitschweifiges Beziehungsgeflecht, das ständig durch arge Pläne und Verschwörungen weitergesponnen wird. Dazu gesellt sich der typische, mit Charme behaftete Aaron-Spelling-Look, zu dem ein einfach gehaltener Score gehört, den man auch schon bei BEVERLY HILLS 90210 und den ersten Folgen von CHARMED in ähnlichen Variationen ausmachen konnte. Mag der Plot stellenweise noch so weithergeholt erscheinen, verfolgt man doch gerne den Leidensweg der einzelnen Charaktere im wunderschönen Los Angeles mit seinen geräumigen Wohnanlagen und ruhig gelegenen Strandhäusern. Gefüllt sind diese Häuser mit polarisierenden Anwohnern aller Art, die der geneigte Zuschauer entweder mag oder nicht. Von den nicht allzu intriganten Mietern haben es mir beispielsweise Alison (Courtney Thorne-Smith) und Jake (Grant Show) ganz besonders angetan. Sie kann eigentlich machen, was sie will, Alison bleibt mir stets sympathisch. Er ist der bodenständige und raue Typ, der ganz klar optische Vorzüge vorzuweisen hat. Bei den Fadenspinnern sind Amanda und Sydney meiner Meinung nach die interessantesten, weil sie die Serie mit ihrem verzwickten Plotschmieden am Leben halten. Amanda Woodward müsste eigentlich jeder Serienverrückte aufgrund Heather Locklears Verkörperung kennen. Die TV-Ikone hat MELROSE PLACE wahrlich zu Kultstatus verholfen. Sydney Andrews wiederum überzeugt durch ihre sarkastischen Kommentare, die von Staffel zu Staffel zugenommen und im fünften Jahr ihr unterhaltsames Hoch erreicht haben. Sie wird von Laura Leighton gespielt, die im realen Leben übrigens Serienkollege Doug Savant heiratete und bis dato mit ihm liiert ist. Mit Marcia Cross, die in dieser Season ihre letzten Folgen als Kimberly Shaw abdrehte, wird Doug Savant später in der Hit-Show DESPERATE HOUSEWIVES mehr zu tun haben. Das gesamte Darstellergespann vor und hinter der Kamera sorgt für einen zusätzlichen Reiz an der Soap und reicht wie eben angeführt bis in die Gegenwart hinein.
Bemerkenswert sind neben einzelnen Darbietungen des Stamm-Casts auch das Mitwirken der schönen Neuzugänge Kelly Rutherford (GOSSIP GIRL) und Alyssa Milano (WER IST HIER DER BOSS?, CHARMED, MY NAME IS EARL). MELROSE PLACE war immer als die Soap bekannt, die viele TV-Berühmtheiten groß machte oder ihren berüchtigten Ruf festigte. Einen kurzen Auftritt erhält zum Beispiel auch Donna Mills, die Seifenopfersüchtigen längst aus UNTER DER SONNE KALIFORNIENS bekannt ist. Die berühmten und eigentlich durchweg attraktiven US-Fernsehgesichter sind ohne Zweifel der größte Pluspunkt von MELROSE PLACE.
--- Zur Präsentation auf DVD ---
Leider stand MELROSE PLACE offensichtlich keine ansprechende Veröffentlichung auf DVD zu. Die Qualität von Bild und Ton ist altersbedingt unterdurchschnittlich, da sich das Quellmaterial dem Aussehen zu urteilen auf Videokassetten befindet. Das 4:3-Bild ist manchmal derart unscharf, dass die Betrachtung keine große Freude bereitet. Auf der sechsten der insgesamt sieben Discs (und nicht acht, wie Amazon angibt) erreicht der visuelle Eindruck seinen Tiefpunkt, wenn Konturen in kompletten Folgen zu verschwimmen drohen. Hat sich das Quellmaterial eine Runde im Swimmingpool am Melrose Place gegönnt und sich anschließend nicht richtig abgetrocknet? CBS DVD bzw. Paramount hätte den Episoden wenigstens ein oberflächliches Remasterprocedere verpassen können. Das Gleiche gilt dem Ton, der vom Volumen her oftmals schwankt. Man ist an vielen Stellen gezwungen, englische Untertitel einzuschalten, weil man die Dialoge nicht richtig verstehen kann. Der englische Ton ist übrigens die einzige Tonspur, die verfügbar ist. Auf eine Veröffentlichung mit deutscher Tonspur muss man sich anscheinend noch gedulden. Bis zu diesem Zeitpunkt ist es ungewiss, ob die Serie überhaupt ein Revival für den deutschen DVD-Markt feiern darf. Zum Glück kann man die Silberlinge in ganz Europa auf DVD- und Blu-ray-Playern abspielen.
Präsentiert sich MELROSE PLACE denn verpackungstechnisch in außergewöhnlichem Maße? Die Frage muss leider verneint werden. Eine dicke Amaray-Hülle enthält alle DVDs. Einen Schuber für Sammler gibt es nicht, die Box sieht schäbig aus. Auf der Innenseite des Inlays sind Episodenbeschreibungen gedruckt, die man durch die Disc-Halterungen nur schwer lesen kann. Man muss das Cover also aus der Hülle nehmen um sich durch den geschriebenen Inhalt zu schmökern. Dasselbe Verpackungsmuster kennt man schon von den
SABRINA THE TEENAGE WITCH-Staffeln, ebenfalls von CBS/Paramount herausgegeben. Leider hat es sich der Vertrieb zur Gewohnheit gemacht, ältere Serien ohne Bonusmaterialien auszustatten.
CHARMED und SABRINA sind beispielgebend hierfür und MELROSE PLACE gesellt sich dazu. Die starren und spärlich gestalteten Menütafeln der DVDs sind ein weiteres Erkennungszeichen Paramounts. Ein spezielles Minus: Aufgrund von Lizenzschwierigkeiten wurde die Musik in einigen Folgen abgeändert. In der Bar "Shooters" laufen deswegen nur noch Instrumentalstücke, nicht die im Fernsehen vernommenen US-Popsongs. Das muss man wohl so hinnehmen. Hätte man die Originalmusik verwendet, müsste man für die Box wahrscheinlich das Doppelte ausgeben, damit der Herausgeber seine Kosten decken kann. Und das wäre diese DVD-Edition bei Weitem nicht wert!
--- Fazit ---
Man mag von seichten Soaps wie MELROSE PLACE halten, was man will, aber diese hier kann man ihren Kultstatus nicht streitig machen. Zu viele heute allseits bekannte TV-Berühmtheiten traten in der Aaron-Spelling-Serie auf. Deshalb ist es eine regelrechte Enttäuschung, dass die abgeschlossene Show auf DVD keine glänzende Veröffentlichung verdient. Alle Folgen wurden einfach ohne großartiges Remastern auf die sieben Discs geklatscht und trumpfen nicht einmal durch Bonusmaterialien auf. Eine Bewertung von zwei Sternen ist aus diesen Gründen meiner Meinung nach gerechtfertigt. Vielleicht erhält eine eventuelle deutsche Veröffentlichung auf DVD mehr Zuwendung als der UK-Schnellschuss.