Es ist schon pfiffig, wie sich die beiden hinter Röyksopp stehenden Norweger in das von überwiegend unterirdischer bis mittelmässiger Techno- und Ravemusik geplagte deutsche Ohr geschlichen haben. Die Debutsingle "Poor Leno" klang zwar schon ein wenig ungewöhnlich (viel zu gut verglichen mit den üblichen Verdächtigen, die uns die Radiostation regelmässig als "hot new act" verkaufen wollen und die sich dann schon beim ersten Anhören als "cold coffee" entpuppen), aber auch nicht zu innovativ, um nicht doch die Charts zu erklimmen. Die zweite Auskopplung "Remind me" kam dann in einer wirklich fetzigen Clubversion auf den (Radio-)Markt und machte mich endgültig neugierig genug auf das ganze Album. Und siehe da, was wir hier haben ist ein Juwel in seiner reinsten Form! Was erstaunt ist, wie sehr sich das restliche Album von den beiden Singleauskopplungen unterscheidet. Hier sind keine Ravejungs am Werk, die gerade vor zwei Monaten ihre Ausrüstung geschenkt bekommen kamen und sofort munter drauflos produzierten, sondern professionelle Musiker mit wirklich ausgereiften Kompositionen, die ihr Handwerkszeug beherrschen. Das Album startet schon gleich äußerst verheißungsvoll mit dem Ohrwurm "So easy", der leicht, verträumt und etwas seltsam daherkommt und sich sofort in den eigenen Gehirnwindungen festsetzt und häuslich einrichtet. Ein wirklich chilliger, irrer Song! Absolut herausragend sind auch "A higher place", "Röyksopp's night out" und der melancholische Closer "40 years back / come", der einem mit offenen Mund und mit nach mehr lechzendem Herzen zurücklässt. Einfach klasse! Alle, die nur die Singleauskopplungen kennen, sollten aber auf jeden Fall vorher mal reinhören, ob ihnen dieser chillige, teils nach Air oder Zero 7 klingende Stil auch gefällt. Bis auf das trip-hoppige "Sparks" sind alles Instrumentalstücke und definitiv keine Clubsongs. Diese CD ist zum Augen schliessen, träumen und geniessen gemacht worden!