Nicht ein Roman ist es, sondern derer viele, doch das Thema, die Melodien des Teilprotagonisten Castiglio, bleibt immer präsent. Melodien, die die Gefühle des Menschen anrühren und manipulieren, ketzerisch in der Zeit ihrer Entstehung, faszinierend für die Forschung der späteren Jahrhunderte. Doch versandet dieses Thema nicht in einer Kriminalgeschichte wie bei Süskinds „Parfum", vielmehr manipuliert es sich selbst inmitten der historischen Stoffe, von denen man bald nicht weiß, ob sie wahr oder erfunden sind. Ebenso beeinflussen sie die Hauptfiguren, der Geschichten während des Romans zu einem immer dickeren roten Faden verwebt werden, dass man gar nicht anders kann als Parallelen zu erstellen und sie miteinander zu vergleichen. Die Melodien selbst geraten dabei immer mehr in den Hintergrund, ihre Wirkungsweise wird zur Hälfte des Romans angehandelt, danach existieren sie permanent im Hintergrund, um die Psyche der Figuren mitzubestimmen. Ein dauernder Wechsel des Stils und der Textsorten macht den Stoff heterogen, nur manchmal hat man das Gefühl, dass dieser Wechsel nicht stringent durchgezogen wurde und manches nicht in das Jahrhundert passt, in dem es gerade spielt. Doch ist dies auch nebensächlich, da Schein und Trug die eigentlichen Erzähler sind und man sich auf sie in keinem Fall verlassen kann, da helfen auch die Anmerkungen am Ende nur wenig. Ein sehr komplexer Stoff, sehr spannend und fesselnd bearbeitet, so spannend, dass man auch die mehr als 800 Seiten nicht krumm nimmt. Es kann jedoch schwer dem eigenen Privatleben schaden, da man über eine Woche das Buch nicht weglegen kann und nur schwer empfänglich ist für die Realität.