Ein Roman mit / über Musik, der nicht peinlich wirkt, ist eine wahre Rarität und allein deshalb lohnt es sich, dieses Buch zu lesen. Zwar bildet die Musik in der Geschichte über das Leben eines englischen Lautenisten am Hofe des dänischen Königs Christian IV nicht die alleinige Grundlage, aber der Beruf der Hauptperson bildet einen bedeutenden thematischen Handlungsstrang und fließt unterschwellig in andere Handlungsstränge mit hinein. So ist es auch nicht bloßer architektonischer Zufall, daß die Musiker der dänischen Hofkapelle Sommers wie Winters in einem vor den Augen der Zuhörerschaft verborgenen Kellergewölbe musizieren, damit ihre Musik, geleitet durch ein ausgeklügeltes Röhrensystem, um so geheimnisvoller im Audienzsaal klingt, sondern der gesamte Sprachstil und auch inhaltliche Tenor des Buches bleibt stets ahnungsvoll,etwas zurückhaltend, dabei aber immer präsent und verständlich. Eindrucksvolle, aber zarte Charaktere werden pastellartig und dennoch klar geschildert und stets hat der Leser die kalte, leicht verschleierte dänische Landschaft vor Augen. Dies ist ein nachhaltiges Buch. Nach der Lektüre wußte ich zuerst nicht so recht, was das alles nun sollte, aber mittlerweile, nach immerhin 5 Wochen, sind mir noch immer alle Gestalten klar vor Augen und der ganze Roman bekommt Form und Tiefe, was mir beim Lesen nicht immer so auffiel. Ich verteile "nur" 4 Sterne, weil 5 halt nur für meine absoluten Lieblingsbücher gelten, aber dieses Buch kommt ihnen recht nah.