Melkvieh Mittelschicht ' Wie die Politik die Bürger plündert
Jeder sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer kennt das Phänomen, dass vom Bruttolohn nach dem eigenen Empfinden zu wenig Netto übrig bleibt. Irgendwie hat man sich daran schon gewöhnt. Wenn man aber dann das Buch von Clemens Wemhoff liest, ist man einfach nur noch fassungslos. Mit welcher Rücksichtslosigkeit der Staat mit den Bürgern umgeht, die durch ihre Steuern und Sozialabgaben unser Staatswesen am Leben halten, ist unbedingt lesenswert. Wenn man dieses Buch durchgelesen hat, wobei ich zugeben muss, dass ich es zweimal gelesen habe, um die gesamte Dimension des Handelns unserer Politiker auch vollumfänglich zu erfassen, versteht man erst, wie Politiker wirklich denken.
Zur Tagesaktualität des Buches sollen folgende Beispiele dienen: So beschreibt Wemhoff sehr deutlich, wie beispielsweise die gesetzliche Rentenversicherung nichts anderes als ein beliebiger Spielball unserer Politiker ist, und prompt plustert sich am folgenden Tag der Bundessozialminister medienwirksam auf, die Renten würden niemals gekürzt. Jedem sei hierzu Kapitel 5 "Für die Rente gibt es einen Generationenvertrag" empfohlen.
Wenn im Rahmen der bevorstehenden Bundestagswahl die ostdeutschen Ministerpräsidenten der CDU fordern, keine Steuergeschenke zu verteilen, dann weiß der Leser des Buches dies genau einzuordnen.
Zum einen ist der Begriff "Steuergeschenk" schon eine absolute Unverschämtheit, zeigt aber, wie abfällig die Politik über den Steuerbürger denkt. Jedes erwirtschaftete Einkommen gehört zunächst dem, der es erarbeitet. Davon wird im Rahmen der Steuer- und Sozialabgabenpolitik ein recht ansehnlicher Teil dem Einzelnen fortgenommen und umverteilt. Wie viel, entscheiden die Politiker nach eigenem Gutdünken. Wobei sich die Politiker selber zu fast 100% nicht nur aus der sog. Solidarität der gesetzlichen Renten- und Krankenversicherung verabschieden, sondern sich selbst umfangreiche Privilegien zusprechen und damit umfassend und ganz selbstverständlich die Solidarität der Bürger in Anspruch nehmen. Wenn man nun dem einzelnen Steuerzahler etwas, wobei die Politik eine monatliche Entlastung des Steuerbürgers um kleinste zweistellige Eurobeträge schon als immensen Erfolg der eigenen Handlungsfähigkeit feiert, weniger wegnimmt, kann man dies wohl kaum als Geschenk bezeichnen. Verschenken kann man nur etwas, was einem selbst gehört.
Zum anderen ist in der gesamten Diskussion um die Staatsfinanzen in der aktuellen Wirtschaftskrise nicht ein einziges Mal von Seiten der Politik gefordert worden, sparsamer mit dem vorhandenen Geld umzugehen. Warum wohl? Steuergeld ist für Politiker "eh da Geld", es ist eben da, kann ohne großartig nachzudenken ausgegeben werden und wenn es nicht reicht, wird eben an der Steuerschraube gedreht. Der Autor geht im Kapitel "Steuersenkungen können wir uns nicht leisten" umfassend auf die Gesamtproblematik ein.
Weitere Beispiele aus der aktuellen Tagespolitik sind: "Steinbrück - Steuersünder gefährden Gesellschaft", aber Steuerverschwender offensichtlich nicht; "Streit um Arbeitslosengeld I", die SPD und Teile der Union möchten, dass auch langjährige Beitragszahler und Menschen, die unter eigenem Konsumverzicht Geld für ihr Alter zurückgelegt haben, nach einem Jahr Arbeitslosigkeit genauso oder schlechter als jemand behandelt werden, der noch nie im Leben in die Steuer- und Sozialkassen gezahlt hat.
Wer dieses Buch gelesen hat, wird das politische Geschehen und die Aussagen der Politiker mit ganz anderen Augen sehen. Konfrontieren Sie doch einmal Ihren Bundestags-, Landtags-, Kreistags- oder Stadtratsabgeordneten (oder was es immer noch an öffentlich alimentierten Mandatsträgern gibt) mit den Aussagen dieses Buches!
Damit erst gar kein falscher Eindruck entsteht: Es geht dem Autor nicht darum, den Staat handlungsunfähig zu machen oder den Schwachen in der Gesellschaft nicht zu beizustehen. Es geht vielmehr darum, die Handlungsfähigkeit des Staates und die Leistungsfähigkeit des Einzelnen auch zukünftig zu erhalten, damit auch den nicht so Leistungsfähigen in unserer Gesellschaft wirklich geholfen werden kann.
Dem Aufkleber auf der Titelseite ist unumwunden zuzustimmen: "Erst lesen, dann wählen". Ein wichtiges und notwendiges Buch!