Wer ist dieser Tschirpke und wie kann er es wagen, uns aus heiterem Himmel mit Lyrik zu überraschen? Eingeweihtere als ich werden wissen, daß die "Melancholie" bereits sein zweiter Gedichtband ist (der erste, der wohl fabelhaft sein soll, heißt "Der Onkel und die Katze"), doch die Frage bleibt: Wer ist er? Anscheinend kommt er von der Bühne und macht dort Spaß oder Musik oder beides. Aber kann so jemand ernstzunehmende Gedichte schreiben, die mehr als Gaukelei sind?
Nach der Lektüre dieses Bandes lässt sich die Frage mit einem aufatmenden "Ja" beantworten. Zwar sind die meisten darin enthaltenden Gedichte deutlich humoristisch, aber in die Kategorie "Schenkelklopfer" fallen sie glücklicherweise nicht. Naja, eines oder zwei vielleicht, z.B. der Sechsstropher "Über sieben Bruckner musst du gehen", in dem Wortspiele mit Komponistennamen auf dem Programm stehen. Doch die Gedichte sind handwerklich solide bis gut und decken einen erstaunlichen Themenbereich ab, der selbst Vielinteressierten noch etwas beibringen kann. (Wissen sie z.B., wer Günter Litfin ist?). Er hat was mit der Antike, mit dem Absolutismus und scheinbar auch mit dem Ostblock, letzteres scheint fragwürdig, ist aber nicht eindeutig auszumachen.
Schön ist: man merkt dem Band an, daß es Tschirpke offenbar Freude gemacht hat, ihn zu verfassen, ihn zu lesen macht genausoviel Spaß und funktioniert auch als Werbegag prima - ich jedenfalls werde "Der Onkel und die Katze" als nächstes lesen.