MEDIUM (Blu-ray/DVD):
- BILD: sehr gutes Bild, natürliche Farben, guter Kontrast und Detailreichtum
- TON: gute Dialogabstimmung, wenig Räumlichkeit ausgenutzt, Blu-ray: DTS-HD 5.1, DVD: DTS 5.1 + DD 5.1
- EXTRAS: Audiokommentar von Regisseur Lars von Trier, Vierteiliges Making-of, Trailer (ca. 32 Minuten Bonus)
FILM (OHNE SPOILER !):
Wie fast alle Filme von Lars von Trier polarisiert MELANCHOLIA die Seherschaft auf das äußerste und ich kann auch irritierte Kritiken verstehen, die die depressive Sinnlosigkeitssymbolik nicht nachvollziehen können. Ich werde auch nicht das Wort "Meisterwerk" verwenden". Es ist letztlich nicht eine Frage des künstlerischen Zugangs oder der intellektuellen Möglichkeiten des Einzelnen, sondern eine des Fallenlassenkönnens in die spezifische Erzählweise und Poesie eines Lars von Trier sowie - als ultima ratio - einfach nur des individuellen Geschmacks. Und über diesen sollte man nur wenig streiten.
Für mich ist MELANCHOLIA ein bildgewaltiges und düsteres, poetisches und depri-romantisches Werk welches u.a. sehr symbolbeladen einen bezug von der individuellen Depression zum Untergang der Welt als Ganzes herstellt. Selten war demgemäß eine Apokalypse und eine Depression so ästhetisch und poetisch dargestellt und auch hier gesellt sich Lars von Trier wieder in die Nähe eines neuen Tabubruchs. Dabei stellt der Film bewußt einen 100%igen und angenehmen Gegensatz zu sonstigen Katastrophenfilmen dar, da er in den ersten Minuten das Ende der Story vorwegnimmt und sich nur auf die Tage davor und die Befindlichkeiten der Protagonisten konzentriert.
Die Story hier in Kurzform wie folgt: Justine (Kirsten Dunst) und Michael (Alexander Skarsgard) wollen ihre Hochzeit feiern. Das Verhältnis zu Ihrer Familie steht allerdings unter großer Spannung, insbesondere auch zu ihrer Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg). Darüber hinaus droht die Erde von einem außer Kontrolle geratenen Planeten getroffen zu werden....Interessanterweise ist der Film insbesondere während der Hochzeit in einer abgeschwächten Form von Lars von Trier mitbegründeten Dogma Stil aufgenommen, d.h. halbdokumentarisch mit stark wackelnder Handkamera, unvermittelten und teils unscharfen Zooms, ungewöhnlichen Kameraeinstellungen usw.
Darüber mögen einige Zuschauer am Anfang etwas genervt sein, im späteren Verlauf der ruhigeren Bilder nimmt dieser Stil etwas ab bzw. durch die extrem malerischen und elegischen Bilder der zweiten Hälfte des Films schafft Lars von Trier sozusagen wiederum einen stylistischen Gegenpol zu dem von ihm selbst mit geschaffenen Filmstil. Der Film setzt auf Richard Wagner statt auf Michael Bay, auf Emotionen statt Effekte und auf Ästhetik statt auf Aliens und schafft damit ein weitestgehend einzigartiges Filmerlebnis. Ist es nicht das was wir von einem Filmemacher am Ende des Tages erwarten ?
Schauspielerisch sind die beiden Protagonisten Kirsten Dunst und Charlotte Gainsbourg herauszustellen, wobei ersterer zu Recht die silberne Palme für eine herausragende Leistung verliehen wurde. Begleitet durch die Musik Richard Wagners Vorspiel zu "Tristan und Isolde" versteht sie es in außerordentlich intensiver Weise ihre zerrüttete Gefühlswelt in ihrer Mimik sichtbar zu machen. Nicht die "normalen" Menschen, nur die depressive Kirsten Dunst als Justine handelt noch rational angesichts der nahenden Katastrophe. Es klingt pervers und abschätzig, aber Lars von Trier macht geradezu das schöne und attraktive an einer depressiven Seele und eines Weltuntergangs sichtbar.
Letztlich ist der Film eine äußerst depressive Dystopie, dessen letzte 5-10 Minuten mit zu den stärksten und emotional ergreifendsten gehören die ich je in einen Film gesehen habe. Und das sind sehr viele. Filme wie MELANCHOLIA könnten stundenlang besprochen werden, verlieren aber sogar an Wirkung wenn man zu viel analysiert und deshalb will ich hier nach dem Motto "lieber weniger als mehr Worte" schließen.
4,5/5 Planeten...äh,...Sternen