Aus der Amazon.de-Redaktion
Kein Zweifel: Eva Gesine Baur ist dem Sinnlichen überaus zugetan. In zahlreichen Publikationen hat sie das bewiesen, wobei festzuhalten ist, das die Münchner Autorin, die Germanistik, Kunstgeschichte und Musikwissenschaften studierte, bisher eher vom kulinarischen denn vom erotischen Metier herzukommen schien.
Der Reichtum der einfachen Küche hießen solche Veröffentlichungen,
Essen und Trinken mit Poesie oder
Zu Gast bei Verdi. Leidenschaft für die Musik. Lust am Genießen. Aber dann schimmerte doch, in der dtv-Reihe
Philosophie der kleinen Passionen, das seidige Bändchen
Dessous hervor.
Nun also Meisterwerke der erotischen Kunst. Und auch hier gibt sich Baur eher als Gourmeuse: "Pornografisches ansehen heißt Fast Food konsumieren", notiert das "Ein Gaumenkitzler vor dem erotischen Menü" betitelte Vorwort, "Erotisches verstehen heißt Delikatessen genießen". Derart abgestandene Bilder sind nicht besonders prickelnd, und man wäre nach der Lektüre der ersten Seiten fast gewillt, den opulenten Bildband aus der Hand zu legen. Wer aber durchhält, bekommt in klug ausgewählten und thematisch gebündelten Kapiteln eben keinen Gaumen-, sondern einen exzellent kommentierten Augenschmaus geboten.
Voyeuristisches von Lovis Corinth, Anzügliches von Tom Wesselmann, Eindeutiges von Arthur Fischer, mythisch verklärtes Sodomitisches von Peter Paul Rubens oder Inzestuöses von Albrecht Altdorfer: Weit über 100 solcher schlüpfriger Meisterwerke hat Baur versammelt -- und dann in detaillierten Bildbeschreibungen klug betextet. So manche heute verloren gegangene Anspielung (etwa zur Austernmetaphorik bei den Niederländern oder zur Geste männlichen Handauflegens auf weibliche Brüste) wird da neu entblättert -- ein sinnliches Vergnügen, das man sich bei einem guten Gläschen Rotwein durchaus genehmigen sollte. --Stefan Kellerer
Kurzbeschreibung
Ein Buch über Erotik in der Kunst, das den Leser nicht in den Verdacht des notdürftig durch Bildungsinteresse kaschierten Voyeurismus kommen lässt?
Eva Gesinse Baur gelingt dieses Kunststück mitreißend und wohlbegründet. Leicht und pointiert eröffnen ihre Bildbeschreibungen ein Panorama der vom Eros bewegten Kunst, das Hintergründiges und süffisante Details geschickt verbindet.
Mit Salomes Schleiertanz als "Striptease einer Pristerin" über "Die Prinzessin und der Samen des Zeus" (Danae) bis zur Erzählung von Lot und seinen Töchtern, "Inzest, wie er in der Bibel steht", reizen schon die Kapiteltitel den Leser, der von Eva Gesine Baur über geheimnisvolle Bildinhalte ebenso wie über Triebe und Getriebene in der Welt der Künstler, Händler und Sammler aufgeklärt wird. Nach vollzogener Lektüre sinkt der Leser befriedigt zurück, und es bleibt das Erstaunen darüber, wie sich gerade mit dem Blick auf ein vermeintlich schlüpfriges Motiv so viel Neues und Erhellendes zu Kunst- und Kultur geschichte mitteilen ließ.