Baconskys Protagonisten sind keine Helden, aber auch keine Antihelden. Sie unterscheiden sich kaum vom Rest der nur vereinzelt anzutreffenden Menschen, welche sich träge und Widergängern gleich durch die düstere Welt bewegen, die der Autor in zehn Geschichten entwirft. Ständige Paranoia ob finsterer Mächte treiben die Erzähler voran, erst die Assimilation zum Rest der Gesellschaft füllt die Lücken ihrer Identität. So etwa in Der verschleierte Orpheus", wo der Protagonist Schlimmes hinter den Mauern eines von Elend gezeichneten Bordells erahnt. Seine Versuche, einer entflohenen Prostituierten zu helfen, scheitern kläglich an seiner Umwelt, doch als er erstmals das Freudenhaus betritt, öffnen sich ihm die Menschen, die er bis dato mit Abscheu verfolgt hat ...
Was seine Geschichten so lesenswert macht, ist Baconskys poetische Sprachgewalt, mit welcher er das unabänderliche Schicksal seiner namenlosen Protagonisten und deren unheilvolle Welt an den Leser heranträgt. Man verliert sich regelrecht in Beschreibungen des Elends, der Verdammnis, des Fluches, den der Erzähler mit sich trägt - Beschreibungen, die regelrecht vor dem schwärenden Pathos der Schwermut und der Hoffnungslosigkeit triefen. Mehrere Seiten einer Geschichte nimmt sich der Autor, um den Leser wortgewaltig zu sensibilisieren für das triste Zwielicht, in dem seine Figuren agieren. Kein Rückgriff auf cthuloide Kreaturen oder unbeschreibliche Mächte, keine Bedienung am Buffet der trivialen Horrorliteratur - Baconsky spricht nicht ein einziges Mal vom konkreten Auftauchen dämonischer Wesen, doch seine reiche wie düstere Bildersprache entwirft ein Universum, welches geografisch fixierbar und dennoch fremder ist als jede lovecrafteske Traumwelt. Baconskys exorbitante Schilderungen und seine ausgeprägte Liebe zu Metaphern spielen nicht selten mit der Geduld des Lesers, er ergeht sich stets in ausschweifenden Beschreibungen des Unausweichlichen, doch aufhören und das Buch zuklappen kann man einfach nicht.
Was der BLITZ-Verlag hier ausgegraben hat, trägt nicht umsonst das Prädikat Meisterwerke der dunklen Phantastik. Anatol E. Baconskys Sammlung Das Äquinoktium der Wahnsinnigen", wunderbar von Max Demeter Peyfuss ins Deutsche übertragen, fesselt den Leser mit sprachgewaltigen, ja poetischen Bildern von den Irrfahrten einer Handvoll Menschen, die der erdrückenden Last des Unausweichlichen entkommen wollen und sich schlussendlich doch ihrem Schicksal ergeben müssen. Vorzüglich abgerundet wird dieses Juwel aus den sechziger Jahren mit einem hervorragenden Nachwort von Herausgeber Frank Rainer Scheck, welches knappe biografische Informationen sowie eine Analyse zu Baconskys Stil und Metaphern serviert.