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Im Prinzip kreisen diese Erzählungen - die meisterhaft Russland und die Gesellschaft des beginnenden 19. Jahrhunderts schildern - alle um ein zentrales Thema: das Problem der Einsamkeit. Dieses Grundthema wird auf das Mannigfachste abgewandelt. Die vier „Petersburger Novellen" zeichnen sich durch eine groteske Entfremdung des erzählten Alltags aus:
Ein absurdes Erlebnis schildert Gogol in der „Nase": Ein Barbier findet eines Morgens in einem frischgebackenen Brot die Nase des Majors, den er regelmäßig zu rasieren pflegt. Diesem ist seine Nase quasi über Nacht abhanden gekommen. Durch den plötzlichen Verlust seiner Nase wird der Major ein Gezeichneter und erlebt so seine Vereinsamung.
Im „Newskij-Prospekt", DER Einkaufsstraße schlechthin mitten im Zentrum Petersburgs, begegnet ein einsamer Künstler einer unbekannten Schönen. Er verfällt ihr gänzlich und steigert sich in traumhafte Wunschvorstellungen hinein, die sich als fatale Illusion erweisen und im Chaos enden. Ebenso zum Scheitern verurteilt ist der einsame Beamte im „Tagebuch eines Wahnsinnigen". Er belauscht auf der Straße ein Gespräch zweier Schoßhündchen und endet letztendlich als König von Spanien im Irrenhaus.
Im „Mantel" ist es wieder ein kleiner einsamer Beamter, der durch den Erwerb eines Mantels kurz aus seiner Isolation gerissen wird. Als das für ihn so bedeutende Kleidungsstück gestohlen wird, stürzt ihn das zurück in die Einsamkeit und schließlich in den Tod.
In diesen Erzählungen lässt Gogol das Alltagsgeschehen im Chaos, im Wahnsinn, im Nichts enden - die Protagonisten sind Außenseiter oder werden in die Isolation gedrängt. Trotz dieser Tristesse entbehrt keine der Geschichten die für Gogol so typische Prise Humor.
Die wehmütige und berührende Geschichte „Altväterische Gutsbesitzer" zeugt von Gogols subtiler Erzählkunst: Einfühlsam und lebensnah schildert der Schriftsteller das Leben eines alten Ehepaares auf ihrem Gutshof. Die detaillierte und humorvolle Beschreibung der Lebensgewohnheiten und Besonderheiten der beiden alten Leute lässt reiche und lebhafte Bilder (auch von der russischen Seele) in der Phantasie des Lesers entstehen.
Gogols Erzählkunst ist eine beeindruckende Mischung aus Humor, Groteske, Absurdität und Phantastik. Die Geschichten tragen sowohl komische als auch tragische Züge und sind spannend zu lesen. Hat man Gogol gelesen, wird deutlich wie sehr dieser wahrhaft meisterhafte Schriftsteller die Entwicklung der russischen Literatur geprägt hat: Die besondere Vorliebe der Russen für groteske und absurde Genres hat vor allem in der Gegenwartsliteratur eine besondere Ausprägung erfahren - man denke an Sorokin.
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