Georg Schramm firmiert als 'Politischer Kabarettist' - aus Mangel an einem passenderen Genrebegriff. Aber er ist viel mehr. Politisches Kabarett will politische Missstände durch den Kakao ziehen und sinnloses politisches Handeln der Lächerlichkeit preis geben. Schramm will mehr.
Er ist das, was die Propheten im alten Israel waren: Prediger der Wahrheit, ein damals noch äußerst gefährlicher Job. Zwar tritt er nicht wie die damaligen Propheten im Namen Gottes auf, aber im Namen einer Form von Wahrheit, die damit gemeint ist (auch wenn er das wahrscheinlich nicht so sieht).
Es ist eine Form von Wahrheit, die unter die Haut all derer geht, die (Nach)Denken gelernt haben. Jene, denen das Lachen am politischen Witz längst vergangen ist, weil sie erkannt haben, dass nicht das Lachen zur Tat schreiten lässt - im Gegenteil, es lässt den längst überfälligen Überdruck sogar noch entweichen -, sondern der Zorn. Jene, die erkannt haben, dass die politische Appellkultur nur dazu dient, diesen Zorn zu besänftigen und/oder politisch dergestalt zu kanalisieren, dass er ohne Wirkung verpufft.
Diesem Zorn geht es nicht um Personen - die sind ohnehin austauschbar -, auch nicht primär um Inhalte, sondern um Einstellungen. Der Zorn Schramms wendet sich denn auch gegen jenes triebhafte Denken, das sich alleine vom Instinkt der Gier her steuern lässt. Egal ob bei den Vertretern der Politik oder Wirtschaft - oder bei dir und mir. Worauf Schramm abzielt, ist die fundamentale Änderung von Einstellungen und Mentalitäten (Geiz ist geil usw.), weil diese der Kern und der Ursprung allen Übels gleichermaßen sind.
Dazu bedient sich Schramm einer geradezu sezierend genialen Sprache. Einer Sprache, die Volksvertretern und Volk gleichermaßen aufs Maul schaut und dabei hinter die Worte blickt. Denn er weiß wie kein anderer: Nur jenseits des Gesagten findet sich das wirklich Gemeinte. Und er nennt das Gemeinte beim Namen und entblöst es so seiner politisch korrekten Tarnung. Einer Tarnung aus gesellschaftlichem Normdenken, politisch korrektem Rollenspiel und sozial unanstößigem Theaterspiel. Eigenschaften, die zumindest uns Erwachsenen so in Fleisch und Blut übergegangen sind, dass wir selbst dann noch lachen müssen über die damit verbundene Sinnentleerung, wenn wir im tiefsten Innersten eigentlich viel lieber heulen würden.
Georg Schramm hat damit eine neue Form des Politkabaretts geschaffen, eine Mischung aus aufrührerischer Predigt und prophetischem Sarkasmus. Er hat damit jene Aufgabe übernommen, die eignetlich den kirchlichen Hochwürden angestanden hätte, die aber darin seit 2000 Jahren versagt haben. Er hingegen hat es darin zur Meisterschaft gebracht und sein Name wird immer mit dieser Form zeitgeistiger Aufarbeitung und Warnung verbunden bleiben. Gäbe es ihn und diese Form nicht - bei Gott, sie müssten beide erfunden werden!