Eine meiner ersten Kinderschallplatten Anfang der Siebziger war "Spuk in der Werkstatt/Pumuckl soll Ordnung lernen". Zu dieser Zeit wurde Meister Eder noch von Alfred Pongratz gesprochen. Anfang der Achtziger wurden alle Pumuckl-Folgen parallel zur damals erfolgreichen Fernsehreihe (mit einem Zeichentrick-Pumuckl) neu aufgelegt, diesmal mit Gustl Bayrhammer als Ersatz für den verstorbenen Alfred Pongratz. (Den nervigen Titelsong "Hurra, hurra, der Pumuckl ist da" lasse ich beim Überspielen fürs Auto jedesmal weg.) Bayrhammer und Hans Clarin als Pumuckl waren auch ein toll eingespieltes Team, aber Pongratz als "Ur-Eder" war doch noch eine Spur gemütlicher, uriger und in den richtigen Momenten polternder, und das sage ich nicht nur aus nostalgischen Gründen. (Wenn ich die alten Folgen mit Alfred Pongratz hören will, muss ich mich auf Flohmärkten umtun.)
Ich habe Hans Clarin in vielen (teilweise erstaunlich seichten) Fernsehsendungen und als Hörspielsprecher mitbekommen (er war z.B. auch als "Hui Buh" großartig), aber der Pumuckl war einfach seine Paraderolle, in der er einzigartig und unersetzbar bleibt, wie folgende kleine Anekdote unterstreicht: Als ich meinem Sohn im Alter von 4 Jahren erzählte, dass die Rollen auf den Pumuckl-Platten von erwachsenen Sprechern aufgenommen werden - auch der Pumuckl -, fragte er mich empört: "Und wie ist der so klein geworden?!"
Es ist über 30 Jahre her, dass ich oben genannte Schallplatte -zigmal gehört habe, aber beim ersten Hören der Neueinspielung von "Spuk in der Werkstatt" fiel mir sofort auf, dass sie um die Szene, in der Pumuckl im Haushalt des Ehepaares Bernbacher Verwirrung stiftet, erweitert wurde, was diese Erstfolge mit 28 Minuten Laufzeit zu einer der längeren macht.
Mich hatte immer gestört, dass auf der 2. LP-Seite gleich die Geschichte "Pumuckl soll Ordnung lernen" kam: kaum kennengelernt, schon setzen die ersten heftigen Erziehungsmaßnahmen ein. Für die Neuauflage hat man statt dessen die nette Folge "Das verkaufte Bett" genommen, in der Eder dem Pumuckl ein eigenes Bettchen schreinert, das in er Nachbarschaft so gut ankommt, dass er gegen seinen Willen noch ein paar weitere anfertigen muss, weil er eben auch schlecht nein sagen kann. Damit wäre zumindest die Frage geklärt, wo der Pumuckl schläft, in weiteren Folgen erfahren wir auch von seiner Schiffsschaukel, was er gerne isst und an Kleidung braucht. Dass einige Fragen unbeantwortet bleiben müssen, liegt wohl in der Natur der Sache, z.B. wer seine Eltern sind bzw. woher er überhaupt kommt (wir erfahren nur, dass er "ein Nachfahre der Klabauter" ist), was er bisher so gemacht hat und wie alt er ist (die kleine Person eint in sich je nach Bedarf einen kombinierten Entwicklungsstand irgendwo zwischen 3 und 10 Jahren), wo er sein Geschäftchen verrichtet oder was Eder anstellen würde, sollte der kleine Kobold (der für sein Leben gern Süßes isst, für jede Zahnbürste aber zu klein ist) mal Zahnweh bekommen... das nur am Rande.
Für Pumuckl ist man nie zu alt, ich habe im Laufe der Jahre alle Folgen gesammelt und stöbere weiterhin nach den alten Cassetten. Die vorliegende 1. Folge ist unerlässlich für alle "großen Kinder" wie für die kleinen!