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Ein Meister aus Deutschland. Heidegger und seine Zeit.
 
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Ein Meister aus Deutschland. Heidegger und seine Zeit. [Englisch] [Taschenbuch]

Rüdiger Safranski
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 519 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt (September 1997)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 3596129907
  • ISBN-13: 978-3596129904
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,6 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 835.800 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Das Leben, die Philosophie, das Jahrhundert - Rüdiger Safranski legt mit seinem vielgerühmten Buch über Martin Heidegger die Biographie des 20. Jahrhunderts vor. Es ist zugleich das Porträt einer Epoche, eine prägnante Reflexion über den Zusammenhang von Denken, Leben und politischer Verstrickung. Heideggers nationalsozialistisches Engagement in der Zeit seines Freiburger Rektorats bleibt in Safranskis glasklarer Darstellung des philosophischen Werdegangs Heideggers ebensowenig ausgespart wie die Kontroverse um die Nachgeschichte seines "Irrtums". Das Buch besticht durch seine souveräne Beherrschung des zeit- und ideengeschichtlichen Materials, es ist eine überragende Auseinandersetzung mit Heideggers Lebenswerk, die sich zu einem Panorama deutscher Kulturgeschichte von der Zwischenkriegszeit bis in die frühen siebziger Jahre der Bundesrepublik ausweitet.

carpe.com

Ob es gefällt oder nicht: Heidegger ist einer der letzten emphatischen Denker in einer philosophischen Traditionslinie, die über Nietzsche bis zu Platon und den Vorsokratikern zurückführt. Heidegger wollte nach der Demontage klassischer Metaphysik, des Verlustes an Selbstgewisasheit aufklärerischen Denkens, des quälenden Nihilismus noch einmal den ganz großen Wurf wagen: Das Sein selbst andenken, alle Verstecke der Wahrheit aufspüren, die Bedingungen des Daseins offenlegen -- auch wenn der widerständige Weg zurück in die Anfangsgründe des unverborgenen Seins über unwegsame Holz-, Feldwege und Wiesengründe ginge.

Heidegger hat nicht zum Wenigsten durch seine Selbstinszenierungen, nicht weit entfernt vom ideologieträchtigen Bild des urdeutschen Waldbauern, einen persönlichen Mythos begründet, der seine eigene Zeit-Genossenschaft in Frage stellt. Er erschien wie ein ebenbürtiger Dialogpartner Platons und forderte vom Leser jahrelange Lektüre Platons, um sein Denken in "Sein und Zeit" nachvollziehbar zu machen. Indes war er vielleicht mehr Zeitgenosse als andere Philosophen, die sich den Mächten der Zeit gegenüber weniger geschmeidig zeigten. Heideggers Liasion mit den Nazis ist von Victor Farias ausführlich dokumentiert worden. Zu beschönigen gibt es beim Stand der biografischen Recherche ohnehin nichts mehr. Die berüchtigte Rektoratsrede, völkische Aktivitäten bis hin zum Lagerleben eines philosophischen Anführers, schnöde Abwendungen von jüdischen Kollegen lösen kaum Sympathie aus. Aber der Blick auf Heideggers Einschreibung in das dunkelste Kapitel deutscher Allmacht lässt gleichwohl nicht länger von dem Philosophen ablenken, der schließlich doch eine andere Allmacht als den braunen Terror suchte. Selbst Heideggers innige Berührung mit dem Nationalsozialismus hat seiner Nachkriegsrezeption bis hin zu Dekonstruktivisten und Postmodernisten keinen Abbruch getan. Safranski lässt trotz der maliziösen Titelwahl, die an einen anderen Meister aus Deutschland erinnert, Heidegger Gerechtigkeit widerfahren. Er reduziert die Auseinandersetzung mit dem Denker nicht auf die Frage, ob Heidegger sich nun entgegen seiner Philosophie auf den Faschismus einließ oder letztlich das Antidemokratische, Heldische, Menschenverachtende eben die soziale Form dieses Denkens ist.

Trotz Jaspers oder Sartre findet der Existenzialismus in Heidegger seinen "eigentlichen" Meister. Heideggers Terminologie gefällt sich dabei in erdigen Neologismen und dunklen Dialektiken, die nicht zum Wenigsten seinen Mythos begründeten, nicht nur als (Fach-)Philosoph, sondern als Denker zum Ursprung des Seinsdenkens zurückzukehren. Kein Wunder, dass sich dieses eigensinnige Sprachspiel den Vorwurf zuzog, einen ideologischen Jargon des Eigentlichen zu pflegen, der teutonisch wabert, ohne die Dinge beim Namen zu nennen. Schärfste Kritik erntete Heidegger von Adorno, der Heidegger, den tiefgründigsten Denker des Seienden, letztlich selbst der Seinsvergessenheit zieh: Seinsvergessen gegenüber gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnissen, seinsvergessen gegenüber den heteronomen Vereinnahmungen des Subjekts. Vielleicht lässt sich vermittelnd sagen, dass beide Wahrheitssuchen sich nicht ausschließen und Heideggers Denken trotz seiner transgressiven Absichten auch nur ein Segment der Philosophie repräsentiert: die Ontologie. Dieser Seinslehre ist zwar jeder Rekurs auf ein göttliches Wesen abgeschnitten, aber hierin bleibt sie nicht dem Nihilismus verhaftet, sondern besinnt sich auf den Urgrund des Seienden zurück. Wer sich diesem Sein nicht auf Heideggers Begriffsleitern nähern will, mag eine interessante Randbemerkung des Meisters aufnehmen: Gegenüber dem Zen-Philosophen Suzuki vermerkte er, dass dieser fernöstliche Weg der Weisheit just sein Denken wiedergebe -- ohne aber den Begriffen noch irgendeine Bedeutung zuzuerkennen.

Safranski hat bereits zuvor als kenntnisreicher Biograf Schopenhauers seine Fähigkeit unter Beweis gestellt, Lebens-, Zeit-, und Ideengeschichte zu einem Gedankenpanorama zu verflechten, das sich nicht auf die übliche Heldenverehrung reduziert. Safranskis Lichtung des dunklen Denkers Heideggers antwortet auf Leser unterschiedlichster Niveaus und verdient mindestens die Aufmerksamkeit, die etwa Gaarders "Sofies Welt" zuteil wurde. --Dr. Goedart Palm


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
25 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Es mag Bücher geben, die man liest, um sie gelesen zu haben. Heideggers philosophisches Hauptwerk "Sein und Zeit" gehört in der Regel nicht dazu. Die Bibel des Existentialismus wird nur von wenigen gelesen und wohl noch von viel wenigeren verstanden. Das sprachgewaltige Werk verspricht einen neuen Anfang im Denken und fordert dafür die Aufgabe aller metaphysischen Sicherheiten. Doch auch Philosophenkollegen warnen vor einer dunklen, wenn nicht sogar pseudo-mystischen Sprache. Bald wußte ich warum.

Es gibt Menschen, die Gedanken anderer Leute besser erklären können als diese selbst. Der mehrfache Biograph Rüdiger Safranski gehört zu ihnen. Mit einer unerhörten Lässigkeit beschreibt er die Innenwelten großer Denker und schlägt so eine Brücke zwischen Fachphilosophentum und der normalen Welt. Tatsächlich verführte mich Safranski mit seinem Heidegger-Buch doch noch zur Lektüre von "Sein und Zeit".

Zugegeben, von keinem anderen Buch habe ich so wenig verstanden. Aber eine Wirkung blieb nicht aus. Vor allem erschloß sich mir der poetische Gehalt des heideggerschen Ausdrucks. Wäre es nicht große Philosophie, wäre es zumindest noch große Literatur.

Aber eine Biographie sollte mehr sein als eine Werkeinführung. Das ist sie auch. Heideggers Zeit wird ebenso lebendig geschildert wie seine politischen Verfehlungen in der Nazizeit. Hier wird nicht mit spitzen Fingern operiert. Der große Heidegger wird samt Makel beschrieben und taugt wenig zu einem Helden. Aber eine Beschäftigung mit seinem Leben und Denken lohnt allemal. An dieser Stelle läßt sich Safranski zitieren, der Heidegger zitiert: "Denn es gibt Menschen, die das 'merkwürdige Schicksal' haben, 'für andere eine Veranlassung dafür zu sein, daß in diesen das Philosophieren erwacht'."

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Dies ist Safranskis Buch über die deutsche Philosophie in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts. Das Monumentalwerk gibt einen Überblick über Heideggers Leben und Denken und führt "nebenbei" ein in die Gedankenwelten bekannter deutscher Philosophen (Husserl, Simmel, Mannheim, Scheler, Bloch, Guardini und viele mehr). Auch auf die Verstrickung Heideggers in die nationalsozialistische Hochschulpolitik wird eingegangen, und dies geschieht ohne erhobenen moralischen Zeigefinger, eher wird die groteske Komik an Heideggers nationalsozialistischem Engagement vorgeführt. Der Stil des Buches ist fast feuilletonistisch. Auf etwas ungute Weise wird das in dem Kapitel über "Sein und Zeit" deutlich (Kapitel 9). - Was zum Beispiel soll man sich bei Formulierungen wie: "... die Angst ist die umschattete Königin unter den Stimmungen" (S.176) oder : "Das Werk [gemeint ist "Sein und Zeit"], effektsicher in seiner Dramaturgie, beginnt mit einer Art Prolog im Himmel. Plato tritt auf." (S.171) denken ? Gerade solche gefällig-eingängigen, aber im Grunde inhaltsarmen Formulierungen wie die eben zitierten waren Heidegger fremd.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Die Schriften Martin Heideggers gehören wohl zu den unzugänglichsten deutschsprachigen Texten der Philosophie, was jedoch weniger an ihrer argumentativen Komplexität liegt, denn eher an der extrem sperrigen, weil eigenwilligen Wortwahl Heideggers: Entweder werden neue Worte gebildet (Geworfenheit, In-der-Welt-sein, Kehre, Man) oder bekannte Worte werden auf eine ganz bestimmte Bedeutung gestutzt (Sorge, Zeug, Sein, Existenz). Gleichzeitig zählt Heidegger jedoch zu den wichtigsten Philosophen diesen Jahrhunderts; ein Studium seiner Werke ist damit zumindest für Philosophen unumgänglich.

Rüdiger Safranski hat nun mit seinem Buch "Ein Meister aus Deutschland. Heidegger und seine Zeit" die perfekte Einführung für ein eigenes Heidegger-Studium geschaffen: Das über 450 Seiten starke Werk kommt im Gewande einer Biographie daher, ist aber weitaus mehr: Denn nicht nur vom Leben des Philosophen wird erzählt, nein, auch die Grundzüge Heideggers Philosophie werden erläutert. Daß dies nicht, wie man befürchten könnte, zu einer rein oberflächlichen Angelegenheit verkommt, schafft Safranski mit drei Hilfsmitteln: Zum einen legt er knapp, aber treffend die philosophischen Traditionen dar, an die Heideggers Denken anknüpft oder gegen die es sich absetzt; zum zweiten führt er den Leser fast beiläufig Schritt für Schritt in die spezifisch Heidegger'sche Terminologie ein; zum dritten macht er die philosophischen Veränderungen und Entwicklungen innerhalb des Werkes selbst deutlich. Hinzu kommt, daß dies alles in einer überraschend eloquenten, fast romanhaften Sprache vollzogen wird. Allerdings muß man auch sagen, daß mit Safranski manchmal die Lust am kongenialen Sprachspiel durchgeht, was ja bereits im Titel deutlich wird: "Heidegger und seine Zeit" spielt ja auf Heideggers Werk "Sein und Zeit" an. Dennoch kann diese kauzige Eigenheit den Genuß an diesem großartigen Buch keineswegs trüben. Wer Safranskis Buch aufmerksam liest, ist danach in der Lage, die originalen Heidegger-Schriften zu begreifen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

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