Dieses Buch ist eine wirkliche Freude. Von der ersten tollen, starken Szene an ist das so spannend geschrieben, dass man es nicht mehr aus der Hand legen kann.
Seitdem Peter Handke über seine Bücher hinaus längst zu einer öffentlichen und total kontroversen Figur geworden ist, stellt sich die Frage: wer ist dieser Typ eigentlich? Und warum hat Handke auch für die Serben im Jugoslawienkrieg Stellung bezogen? Nachdem ich das Buch gelesen habe, wundert mich nichts mehr. Herwigs Biografie ist ein wirklicher Augenöffner: Dass Handke Tiefe hat, weiß jeder; daß er fesselnde Untiefen hat, nicht. Malte Herwig hat wie kein anderer vor ihm Einblick nehmen dürfen in die Tagebücher und Briefe Handkes und seiner Verwandten, und er geht von Handkes Vorfahren aus und zu seiner Mutter und ihrem "wunschlosen Unglück" zurück, und er macht daraus eine so spannende und so ergreifende Geschichte, daß ich das Buch in einem durch gelesen habe wie einen echten Thriller.
Atemberaubend fand ich auch, wie Geliebte sich an ihn klammern und manchmal von ihm abgestoßen werden, damit er überhaupt atmen kann. Noch nie ist die Substanz dieses Menschen so deutlich und anschaulich gemacht worden wie hier. In dem Buch wird die berüchtigte aggressive Unduldsamkeit von Handke, die so überhaupt nicht mit seiner ach so großen Sanftmut zusammenpasst, plötzlich klar: Der Mann ist ein Kämpfer. Er kämpft um seine Existenz, und das noch mit fast 70 Jahren, und sein Existenz ist sein Schreiben, wie es für uns andere halt der Job ist. Er ist einer von uns: das ist mir noch nie so deutlich geworden wie durch dieses Buch. Und er will den Frieden, mehr als andere, die immer nur davon reden. Handke drückt den Frieden, den er will, durch seine Sprache aus. Er hat ein Herz.
Das Buch schafft es, dass man sich mit dem Menschen Handke identifiziert. Ich habe mir mit Handke manchmal etwas schwer getan; aber ich war, wie die meisten, immer auch fasziniert von ihm und seinem Stil und seinen Bildern. Jetzt weiß ich, warum: Herwigs "Meister der Dämmerung" ist ganz bestimmt das beste Buch, das ich jemals über Handke gelesen habe. Biografien sind oft doch sehr zäh und langweilig - diese aber ist spannend, anrührend, einfühlsam, manchmal beklemmend, sogar tragisch und auch noch humorvoll - was will man eigentlich mehr?