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Meines Vaters Land: Geschichte einer deutschen Familie [Gebundene Ausgabe]

Wibke Bruhns
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (46 Kundenrezensionen)

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Wibke Bruhns
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Als der Vater starb, war sie sechs. Wibke Bruhns, Jahrgang 1938, sagt von ihm und ihrer großen Familie: "Ich weiß, wer die Leute sind. Aber ich kenne sie nicht." Ihr Buch dokumentiert den Versuch einer Annäherung an jene, die ihr am nächsten waren.

Dabei kann sie sich auf reichhaltiges Quellenmaterial in Form von Tagebüchern, Briefen und Haushaltskladden stützen, denn beide Eltern entstammen traditionsbewussten Bürgerhäusern: Hans Georg -- HG genannt -- dem Halberstädter Handelshaus Klamroth, Else einem "Haus voller Herzlichkeit" in Wismar. Beide sind 1898 geboren und indem Bruhns ihre Geschichte(n) erzählt, blättert sie ein halbes Jahrhundert deutscher Geschichte auf.

Ihres Vaters Land erweist sich als eine untergegangene Welt, materiell wie mental, und die Rekonstruktion als ein "Puzzle-Spiel", das die Autorin und uns in ein Wechselbad der Gefühle stürzt: HG freut sich 1917 "kolossal, noch so viel Krieg mitmachen zu dürfen". HG gewinnt mit einem brillanten Auftritt Elses Familie für sich. Else leidet unter den zahlreichen Affären ihres Mannes. Else empört sich über die Reichskristallnacht, weil sie um Deutschlands Image fürchtet.

Bruhns macht kein Hehl aus ihrem Befremden ("Der spinnt." -- "Was geht bloß vor in diesen Männern?"), gleichzeitig hinterfragt sie schnelle Urteile: "Vorsicht! Was würde ich denn tun?" Das wirkt manchmal etwas pädagogisch, meistens aber sehr glaubhaft, auch dank des behutsam zupackenden Tons, in dem hier altdeutsche Bürgerherrlichkeit -- die Buddenbrooks lassen grüßen -- kommentiert wird.

Im Zweiten Weltkrieg kämpft HG in Russland, ist dann Abwehr-Offizier in Berlin und wird in das Hitler-Attentat vom 20. Juli verwickelt. Der Erbsenzähler und Schürzenjäger als heroischer Tyrannenmörder? "Da ist viel Platz in so einer Psyche", staunt die Tochter Jahrzehnte danach. Ganz erschlossen hat sich ihr das Vater-Land nicht, dennoch endet sie versöhnlich: "Ich habe von dir gelernt, wovor ich mich zu hüten habe... Ich danke dir."

Und wie viel Platz ist in so einem Buch! Bruhns gelingt eine ergreifende Geschichtsstunde aus persönlicher Betroffenheit, ohne die abgeklärte Attitüde des Berufshistorikers. Mit romanhafter Wucht beschwört sie Die Welt von gestern noch einmal herauf. --Patrick Fischer

Hörbuch-Rezension

Auch so lange Zeit nach Kriegsende ist der Nationalsozialismus immer noch ein Thema, das beschäftigt. Manchmal hat es auch ganz konkrete Gründe, warum die Auseinandersetzung nicht früher beginnen konnte. Die Journalistin Wibke Bruhns kam erst nach dem Tod ihrer Mutter in den Besitz der Briefe ihres Vaters. Als dann auf einem Dachboden auch noch das umfangreiche Familienarchiv ihres Großvaters gefunden wurde, konnte sie daran gehen, die Geschichte ihres Vaters zu ergründen: Überzeugter Nazi und zugleich Widerstandskämpfer? Jedenfalls wurde Hans Georg Klamroth 1944 nach dem missglückten Attentat auf Hitler als Mitwisser hingerichtet. Obwohl sie bei seinem Tod fünf Jahre alt war, hatte Wibke Bruhns keine bewusste Erinnerung an ihn und wollte nun endlich wissen, wie dieser Mann wirklich war.

Eine sehr persönliche Spurensuche also, und man ist sofort an Uwe Timms Am Beispiel meines Bruders erinnert. Aber Bruhns ist Journalistin und so interessiert sie sich, im Gegensatz zu Timm, viel stärker für die Zeitgeschichte, möchte auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ergründen und geht in ihrer Familienchronik bis in die Zeit vor dem ersten Weltkrieg zurück. Und diese gelungene Mischung aus großer Politik und persönlicher Geschichte ist es auch, die das Buch so beeindruckend macht. Das gilt umso mehr für das Hörbuch, bei dem die Stimme der Autorin den persönlichen Charakter dieser Recherche verstärkt, zugleich ihr sachlicher Ton aber dafür sorgt, die emotionale Seite der Geschichte nicht dominieren zu lassen. Und dass Wibke Bruhns ihren Text ausgezeichnet liest, ist auch nicht verwunderlich. War sie doch in den 70er Jahren die erste Frau, die die Heute-Nachrichten im ZDF präsentierte.

Gekürzte Lesung, 5 CDs, Spieldauer ca. 350 Minuten. --Christian Stahl -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Wibke Bruns Meines Vaters Land Econ Verlag München ISBN 3 430 11571 X

Das ist eines der spannendsten Bücher über die Zeit vor und nach dem Beginn des Nationalsozialismus und den zweiten Weltkrieg, das ich bisher gelesen habe.

Wibke Bruns bekommt zu einem bestimmten Zeitpunkt ihres Lebens den Anstoß, den Vorfahren ihres Vaters und ihrer Familiengeschichte nachzuspüren.
Erfahren will sie aber vor allem , wer und wie ihr Vater war, was er mit den Nazis zu schaffen hatte, und warum er nach dem Attentat auf Hitler im Juli 1944 verurteilt und hingerichtet wurde. Sie war bei Kriegsende als jüngste von fünf Geschwistern noch ein kleines Kind, das versorgt wurde und die tiefen Spuren der Verwüstung und der menschlichen Dramen, die sich damals abgespielt haben, nicht bewußt erinnern konnte.

Nicht zu Unrecht wird die Familiengeschichte der Klamroths mit der Familiengeschichte der Buddenbrooks verglichen.

Mit ihrer Familiengeschichte, beginnend mit der Firmengründung um 1790, erfahren wir viel über die Entwicklung und das Leben einer Großbürgerfamilie in Halberstadt zu Zeiten der Gründerjahren und zur Zeit Kaiser Wilhelms.
Fein dargestellt werden die guten Tage, der Reichtum, die Verbindungen,die man pflegte, der gesellschaftliche Umgang und die Eheschließungen; man erfährt über den Familienzusammenhalt und die Gebräuche im Verhältnis der Geschlechter und Generationen untereinander.

Wahrlich immer spannender wird die Geschichte mit dem Ende des ersten Weltkriegs, Übergang zum Beginn der Naziherrschaft, später der zunehmenden Repression auf die Bürger, der politischen Verfolgung anders Denkender und schlußendlich der Judenverfolgung-und Vernichtung und dem Vernichtungskrieg im Osten. Parallel dazu verläuft der wirtschaftliche und familiäre Niedergang der Firma . Die Mutter meistert diesen Niedergang und die Kriegs-und Nachkriegszeit derart, wie viele sich aus eigenem Erleben an diese Zeiten erinnern werden.
Intensiv beschäftigt sich W.Bruns mit ihrem Vater als Kind, Heranwachsendem und Mann. Sie ist schonungslos offen in ihren Beobachungen, die den Vater nicht immer im besten Licht erscheinen lassen. Sie bleibt distanziert, wo es erforderlich ist, um seinen Charakter zu beschreiben. Daß sie die Mutter erst spät mit neutralerem und klaren Blicken sieht, ist eines der Merkmale, daß das Buch so sympathish macht: W.B. ist sehr aufrichtig. Niemand wird verherrlicht oder nur runtergemacht; es geht alleine um die Suche nach Wahrheit!

Wibke Bruns ist neben dieser persönlichen Wahrheitssuche ein hervorragendes Dokument der Zeitgeschichte gelungen. Imponiert hat mir, mit welcher Akribie sie ihre Familie und ihre Eltern beobachtet hat, recherchiert aus Briefen und Dokumenten, Tagebuchaufzeichnungen und Berichten. Sie bleibt objektiv, distanziert, als spräche sie über beliebige Personen, um dann doch wieder mit töchterlichen Einwürfen des Erstaunens oder der Entrüstung ihre Beziehung zu den Eltern herzustellen. Im Prolog und Epilog stellt sie ihre persönlichen Bindungen an die handelnden Personen dar.
Ergreifend ist am Ende die Versöhnlichkeit, mit der sie bei aller kritischen Beobachtung ihre Eltern als ihre Eltern annimmt.
Cl.Borries!

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43 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
"Meines Vaters Land" von Wibke Bruhns ist ein faszinierendes Buch. Dank eines außergewöhnlich umfangreichen und gut erhaltenen Familiennachlasses stellt die Autorin die Geschichte ihrer großbürgerlichen Familie dar ( = die Buddenbrooks von Halberstadt) Der Grund für ihr aufwändiges Quellenstudium:
Sie will ihren Vater kennenlernen, der - obwohl NSDAP-Mitglied seit 1933 - im Umfeld des 20. Juli 1944 als Verschwörer in Plötzensee gehängt wird. Wibke Bruhns ist zu diesem Zeitpunkt 6 Jahre alt und hat wegen des Krieges ihren Vater kaum gesehen.
Das Buch ist ein "Muß" für den historisch interessierten Leser, der die politische Entwicklung Deutschlands ganz konkret, ganz lebendig, ganz überzeugend am Beispiel authentischer Personen erlebt.
Ein bemerkenswerter Beitrag unter der Überschrift: "Eine Vergangenheit, die nicht vergeht"
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Wer glaubt, daß die Aufarbeitung von Tagebüchern und Briefen nicht zu einem spannenden Ergebnis führt, irrt. Einfühlsam, dicht und nicht parteinehmend, schreibt W. Bruhns eine sehr lesenwerte kritische Familienchronik, die auch dem nicht an geschichtlichen Zusammenhängen interessierten Leser eine Menge Interessantes bietet. Für mich beantwortet sie stellvertretend viele Fragen, die meine Großeltern nicht beantworten konnten oder wollten. Besondere Stärke des Buches ist ihre Schilderung der sehr unterschiedlichen Charaktere, die zu einem besseren Geschichtsverständnis führen kann. Als typisch deutsche Familienchronik unbedingt zu empfehlen, nie seicht oder betulich.
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