Der Titel des Buches klingt so, als würde hier über zwei verschiedene Leben berichtet, die nicht sehr viel miteinander zu tun haben. Und eigentlich ist es auch so. Denn so wie beim Fußball das Spiel in der zweiten Halbzeit oft völlig anders läuft als in der ersten, so ist es auch mit der Lebensgeschichte von Jörg Berger.
Die erste Halbzeit - das ist das Leben in der früheren DDR. Das Schicksal meint es eigentlich gut mit Herrn Berger. Zwar muss er recht früh seine Fußballerkarriere beenden , aber als Trainer macht er sehr schnell seinen Weg und hätte es bis ganz nach oben schaffen können. Und er hatte sich in der DDR ein recht komfortables Leben eingerichtet mit allen Privilegien, die man als erfolgreicher Sporttrainer genoss. Warum zieht dann so ein Mensch trotzdem den Schlußstrich unter dieses Leben ? Der Autor versucht gar nicht erst, seine Flucht als politische Überzeugungstat hinzustellen. Es war wohl eher der Drang, die eingefahrenen Gleise zu verlassen, alle Brücken abzubrechen und nochmal ein ganz neues Leben zu beginnen. Das gibt es ja heute auch, vielleicht noch viel mehr. Und wer hat nicht schon selbst mal mit dem Gedanken gespielt ?
Die zweite Halbzeit - das ist das Leben in der Bundesrepublik. Nach anfänglicher Euphorie über die geglückte Flucht tritt bald Ernüchterung ein. Herr Berger merkt sehr schnell, dass man im Westen nicht unbedingt auf ihn gewartet hat. Man lässt es ihn auch merken. Gerade von Seiten des DFB. War er in der DDR einer der angesehensten Fußballtrainer so muss er jetzt erstmal den Trainerschein machen. Das ist etwa so, als müsste Michael Phelps nochmal die Schwimmprüfung machen... Aber er lässt sich nicht entmutigen und und macht auch im Westen schnell Karriere. Klar, Glück gehört auch immer dazu, gerade bei einem Fußballtrainer. Aber sein Beispiel zeigt auch, dass man mit Willenskraft es wirklich schaffen kann, nochmal völlig bei Null anzufangen und ein erfolgreiches zweites Leben aufzubauen.
Deshalb ist das Buch nicht nur ein Stück deutsche Geschichte sondern eine Art Lebensratgeber für unsere heutige Zeit.