"Meine wichtigsten Körperfunktionen" habe ich auf einer längeren Autofahrt gehört. Es ist kein Sachbuch, wie manche irrtümlich vermuten, sondern ein Kaleidoskop an ausgefallenen, witzigen, an manchen Stellen zum Schreien komischen, originellen, traurigen, einsamen Episoden. Der Körper als Gefährte der Seele (animula, vagula, blandula... ), dessen Funktionen von einer selbstfixierten Egomanie, über Chaos, Unsicherheit, dem Gefühl von Ungenügsamkeit, Angst, tiefer Sehnsucht nach Liebe, Gebärneid, Einsamkeit bis zu Tolpatschigkeit reichen. Seine Menschenliebe ist grenzenlos, aber auch erschreckend: Er fährt in seiner Einsamkeit zum Flughafen, wartet auf Liebende, schleicht sich an und umarmt sie dann von hinten, um etwas von diesem Glück mitzubekommen... Dann wundert er sich, dass diese in panischem Schrecken nach dem Sicherheitsdienst brüllen. Eine der stärksten Passagen ist die des ans Kreuz genagelten Christus, der vor Schmidts überbordender Liebesbezeugung verzweifelt sein Kreuz von der Wand reisst und sich aus der Kirche flüchtet... Schwarzer Humor in Höchstform! Der Autor Jochen Schmidt nennt seinen Erzähler und Protagonisten ebenfalls Schmidt, sozusagen eine Art Alter Ego, aber Schmidt und Schmidt sind nicht gleich Schmidt, auch die vermeintliche Innenschau ist ein Kunstgriff. Oliver Korittke liest die Episoden als könne er Schmidt in die Seele blicken. Doch welchem nur von den beiden? Nuancenreich liest er, manchmal schnoddrig, wie ein echter Antiheld, aber mit der Leidenschaft und der herrlich sperrigen und liebenswert-komplizierten Art eines Neurotikers. Korittke, Schmidt & Schmidt: die drei haben sich in diesem Hörbuch gefunden. Äußerst gelungen und witzig.