Die Meinungen zu diesem Buch gehen ja sehr weit auseinander und ich muss sagen, dass ich auch an der Qualität der Geschichte zweifle.
Ich gehe in die 8. Klasse und wir lasen dieses Buch als Schullektüre. Ich finde nicht, dass sich diese Erzählung wirklich ernsthaft mit der Thematik Magersucht auseinandersetzt.
Sprachlich ist die Geschichte ganz nett, aber auch relativ einfach geschrieben und lässt sich gut & schnell lesen.
Der Inhalt lässt allerdings zu wünschen übrig.
Die Vorgeschichte und auch das Ende sind vergleichsweise lang, im Gegensatz zum eher kurz geratenen Mittelteil, der eigentlich gerade den wichtigsten Teil darstellt.
Die Vorgeschichte beginnt interessant und man kann sich gut in die Situation von Dana hineinversetzen.
Das Ende ist etwas zu seicht und alles endet glücklich und alle haben sich lieb, was ich nicht gerade als realitätsnah bezeichnen würde. Außerdem bekommt Dana durch ihre Krankheit wirklich die Aufmerksamkeit, nach der sie sich zuvor so sehr gesehnt hat.Sie erreicht durch ihre Anorexik sogar, dass sich ihr heimlicher Schwarm Thomas in sie verliebt, ganz plötzlich, als sie schon abgenommen hat. Ihre Familie wird auch aufmerksam und ihre Eltern und sogar ihre Schwester, die ihr vorher gar nicht gegönnt hat, machen sich auf einmal schreckliche Sorgen um sie.
Im Mittelteil (also der eigentlichen Krankheitsphase) geht es, meiner Meinung nach viel zu schnell voran. Am Anfang wiegt die 16 - jährige Dana bei einer Größe von 1,65m 69kg, was zugegeben deutlich über dem Normalgewicht liegt. Anfangs wird ausführlichst beschrieben, wie viel sie doch isst, weil sie keine Freunde hat und irgendwie immer deprimiert ist und sich am liebsten nur noch verstecken würde . Wie "zufällig" isst sie eines abends einmal nichts und fühlt sich augenblicklich ein Stückchen besser und beschließt, von nun an gar nichts mehr zu sich zu nehmen.
Sie macht sich nur noch Gedanken um Essen, Kalorienwerte und ihr Gewicht. Zu Anfang ihrer Krankheit wird noch beschrieben, wie sie fast ein halbes Kilo (also nicht besonders viel) in 2 Tagen abnimmt.Ein paar Kapitel später wiegt sie bereits 15 Kilo weniger, und denkt sich, sie müsse noch mehr abnehmen, aber ein Anfang sei gemacht. Was mich verwirrt hat, ist der fast gar nicht mehr vorhandene Überblick auf ihren Zustand. Zwei (!) Kapitel später wiegt sie noch einmal 10 Kilogramm weniger und als ihre Familie merkt, dass sie über 25 (!) Kilo abgenommen hat, muss sie schon ins Krankenhaus.
Besonders gestört haben mich an dem Buch folgende Sachen:
- der Umgang der Familie und auch der Sportlehrerin mit Dana finde ich gänzlich unrealistisch. Danas Mutter sagt z.B. vor ihren Augen zu ihrer älteren Schwester Beate, dass doch Beate ihre "Beste und Schönste" sei. Dana beobachtet das Ganze und nimmt es scheinbar als normal hin
- außerdem hört Dana zufällig vor dem Sportunterricht mit, als ihre Sportlehrerin vor allen anderen Schülern über Danas Figurprobleme herzieht. ("Fehlt noch jemand?", fragt die Lehrerin. Schülerin: "Ja, die Dana."- Lehrerin: "Naja, wir können ja schon mal ohne sie anfangen. Die Dana dauert ja immer ein bisschen länger, bis sie in ihrem Gymnastikanzug steckt". Kichern unter den anderen Schülerinnen.)
Als Dana an die 10 Kilo abgenommen hat, wird sie von den Schülerinnen und vor allem der Lehrerin dafür zu höchst bewundert.
-> Dieses Verhalten halte ich für ganz und gar unrealistisch. (Normalerweise sollten Erwachsene, und vor allem Lehrer Vorbilder sein, und man zieht nicht über Leute her, die vielleicht etwas mehr auf den Rippen haben.)
-Am Meisten hat mich aber die Aussage des Arztes, der die Magersucht bei Dana entdeckt hat, gestört. (Dana hat manchmal nachts Heißhunger, isst ganz viel auf einmal und muss sich anschließend deswegen erbrechen) Der Arzt fragt: "Und du isst wirklich gar nichts?" - Dana: "Schon, aber manchmal in der Nacht..." - "...Stopfst du alles in dich hinein und übergibst dich nachher", vervollständigt der Arzt ihren Satz. Dana fragt: "Woher wissen Sie das?"
der Arzt: "Es ist immer das gleiche Krankheitsbild bei der Magersucht."
Dieser Satz hat mich zutiefst geärgert. Ist doch glasklar, dass es mehrere, unterschiedliche Krankheitsbilder bei der Anorexie gibt, oder?
Als wären alle Magersüchtigen gleich....
Im Großen und Ganzen konnte ich das Buch schon gut lesen, aber inhaltlich ist es nicht gelungen.
Es gibt bessere Bücher zu empfehlen!