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Meine graue Stadt: Leipziger Ansichten 1966 - 1991
 
 
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Meine graue Stadt: Leipziger Ansichten 1966 - 1991 [Gebundene Ausgabe]

Norbert Vogel
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 128 Seiten
  • Verlag: Mitteldeutscher Verlag; Auflage: 1 (Dezember 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 389812780X
  • ISBN-13: 978-3898127806
  • Größe und/oder Gewicht: 26,6 x 22,4 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 120.698 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Norbert Vogel gewährt uns einen Blick auf sein Leipzig, das er bis zum Einheitsjahr fotografisch begleitet hat. Seine Schwarz-Weiß-Fotos zeigen uns unsere Vergangenheit.« --Das Blättchen, 8. August 2011

Kurzbeschreibung

Norbert Vogel kam 1965 nach Leipzig, um Fotografie zu studieren, und die damalige Messemetropole, die
zweimal im Jahr wie Phönix aus der Asche erwachte und im Messegold erstrahlte, ließ ihn nicht wieder los,
wurde zu seiner grauen Stadt, wie er sie liebevoll nennt. Während seiner Zeit als freier Fotograf in der DDR und als "kooperativer Einzelkämpfer" testete er immer wieder aus, was in den engen Grenzen der staatlich kontrollierten Printmedien überhaupt möglich war. So entstanden unveröffentlichte Fotografien für seine "private Kiste", die in diesem Bildband, gemeinsam mit in der damaligen Zeit gezeigten Motiven, das alltägliche Leben in der DDR realistisch widerspiegeln. Viele der Leipzig-Fotografien von Norbert Vogel drohen im grauen Smog der 70er und 80er Jahre zu versinken, zeigen aber gerade deshalb, wie die Menschen damals gelebt haben, selbst wenn auf den Fotos kaum Menschen zu sehen sind. Sie erscheinen fast nebenbei und sagen umso mehr über die damalige Zeit aus. Wer die hier gezeigten Fotos mit dem heutigen Leipzig vergleicht, erkennt, dass die Stadt mit ihren prächtigen Bauten noch einmal gerettet wurde und auf keinen Fall mehr grau ist.

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Von Me too
Das Leipzig der achtziger Jahre erinnere ich als eine bunte, lebendige und weltläufige Stadt. Betrachtet man Norbert Vogels zwischen 1966 und 1991 entstandene Fotos der Metropole - die der Schriftsteller Uwe Johnson (1934-1984) einst die "heimliche Hauptstadt der DDR" nannte - erweist sich die Erinnerung als trügerisch. Das mag auch daran liegen, dass die eigene Heimatstadt seinerzeit noch grauer war als die Mustermesse-Stadt, die in der DDR als deren "Schaufenster zur Welt" bezeichnet wurde. Wenn es so war, dann ist es vorstellbar, dass westeuropäische Besucher, die die Stadt alljährlich zur Frühjahrs- und Herbstmesse frequentierten, wenig Lust verspürten, den Laden hinter diesem Schaufenster zu betrachten.

Norbert Vogel, Jg. 1944, lebt in Eichwalde und hat in den sechziger Jahren Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studiert. Er gewährt uns einen Blick auf sein Leipzig, das er bis zum Einheitsjahr fotografisch begleitet hat. Fürwahr, die Stadt war, nach heutigem Ermessen, ebenso trostlos wie das verfallende Halle, das Helga Paris zwischen 1983 und 1985 fotografiert und in dem 1991 erstmals erschienenen Band 'Diva in Grau' dokumentiert hat.

Norbert Vogels Schwarz-Weiß-Fotos - die weder chronologisch noch thematisch geordnet sind - zeigen uns, sofern man nur in der DDR aufgewachsen ist, unsere Vergangenheit. Denn die Bilder in dem maroden Land ähnelten sich zwischen Arkona und Zwickau. 1981 konnten Kinder in Leipzig-Plagwitz, wie in "Meine graue Stadt" zu sehen, auf der Straße freilich noch Fußball spielen, weil der Verkehr überschaubar war. Die auf Gewässern schwimmenden Platten, die Norbert Vogel 1977 aufnahm, waren nicht aus Eis, sondern aus geronnenen Phenolrückständen der chemischen Industrie. Und auf vielen Fotos liegt Nebel über Leipzig, von dem man wünscht, er möge nur jahreszeitlich bedingt sein. Realiter handelt es sich um Smog, der auch die Fassaden der Pleiße-Stadt schwärzte. Die letzte Hoffnung, die hier 1989 noch leuchtete, war die Lichtreklame der gleichnamigen Kneipe im Stadtteil Lindenau.

Kaum zu glauben, dass die DDR-Regierung in der Endzeit des Landes mehr oder minder ernsthaft erwogen hatte, sich mit Leipzig als Austragungsort für die Olympischen Spiele 2004 zu bewerben. Das war wohl eine Kurzschluss-Reaktion, nachdem Walter Momper, der damalige Regierende Bürgermeister West-Berlins, Honecker 1989 vorgeschlagen hatte, dass sich beide Teile Berlins um die Austragung der Sommerspiele 2004 bewerben mögen: "Gut, wenn Sie sich mit Westberlin bewerben, dann bewerben wir uns mit Leipzig", wies Honecker den Vorschlag Mompers entrüstet zurück. (So zu lesen in einem "Dosenöffner für die DDR" betitelten Beitrag der "taz" vom 26. August 2009.) Zu einer Bewerbung der DDR kam es natürlich nicht. Sie wäre, auch ohne die Wende von 1989, nicht zu leisten gewesen. Aber auch der 2003 unter anderen politisch-infrastrukturellen Voraussetzungen gestartete Versuch, die Olympischen Sommerspiele 2012 nach Leipzig und in das Umland zu holen, scheiterte.

Bernd Lindner - leider wird dem Leser nicht mitgeteilt, wer dieser Autor ist - irrt sich in seinem einleitenden Essay beim Thema "Hotel Merkur", dem heutigen "Westin", gleich zweifach. Das 96 Meter hohe Gebäude wurde nicht von einem schwedischen, sondern von einem japanischen Unternehmen errichtet. Das einstige Interhotel ist auch nicht Mitte der achtziger Jahre erbaut worden. Der Grundstein wurde vielmehr im September 1978 gelegt und am 13. März 1981, mit Beginn der Frühjahrsmesse, wurde es seiner Bestimmung übergeben.

Das Leipzig, das Norbert Vogel im Bild überliefert, stimmt gewiss nicht nostalgisch. Man möchte es so wenig wiederhaben wie die größte DDR der Welt, in der es lag - und verfiel.
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