Dario Fo, der italienische Theaterkritiker, Schauspieler und Schriftsteller hat im letzten Jahr seine "Lebenserinnerungen" auf den deutschen Buchmarkt gebracht. Gekonnt beschreibt Fo in seiner ungewöhnlichen Art von Humor die ersten Lebensjahre auf dem italienischen Land, nahe der Grenze zur Schweiz. Fo ist unanständig, neugierig, jungenhaft-naiv und italienisch-clever. Ungewöhnlich scheint die sexuelle Offenheit der Zeit, wenn die Frauen des Ortes dem Großvater von Fo mit roten Bäckchen im Gesicht lauschen, während er Geschichten über die Wuchsform des Gemüses seines Gartens erzählt. Eine schöne Episode, die zeigt, dass auch zu Beginn des letzten Jahrhunderts die Menschen nicht verkniffen durch die Welt gelaufen sind.
In dem Buch beschreibt er als Frühreifer seine ersten Liebeserfahrungen, das Gerangel um das richtige Mädchen und natürlich die skurrilen Gegebenheiten im Ort. Liebevoll schildert er die Beziehung zu seinen Eltern, seinem Großvater und dem Aufwachsen in einer Umgebung, die offen, natürlich und vor allem kinderfreundlich ist. Fo läßt jedoch auch die Betrachtungen der politischen Situation im Land (2. Weltkrieg) nicht außen vor und zeigt an Texten zum Schmuggel von Juden über die Schweizer Grenze die Anstrengungen eines ganzen Dorfes auf, Unschuldige zu retten und damit dem System eins auszuwischen.
Zum Ende des Buches verlieren die Seiten etwas an Schwung, fast scheint es, dass Fo nichts mehr eingefallen ist. Deshalb auch nur 4 Sterne. Insgesamt ist das Buch eine wahre Frühlingslektüre, frisch, schnell zu lesen, lustig und entspannend.