Im Schatten der großen Naziverbrecher, von der Geschichtsschreibung vernachlässigt und unerwähnt, erwuchsen sie zur großer Blüte, die ruchlosen Nutzniesser dieser verkommenen und selbstherrlichen Gesellschaft, Ehefrauen, Verwandte, Freunde. Hemmungslos und ungehindert nahmen sie die Möglichkeiten wahr die sich ihnen boten, profitierten von ihrer gesellschaftlichen Stellung im Dunstkreis der Mächtigen und suchten von der Angst der Rechtlosen zu profitieren.
Brigitte Frank, Frau des Reichsministers und Generalgouverneurs von Polen, Hans Frank, perfide, geldgierig und nutzniesserisch veranlagt, wusste sich dessen zu bedienen. In "Meine Deutsche Mutter" beschreibt Niklas Frank das Leben seiner Mutter, einer verschlagenen und egoistischen Frau, der zur Erfüllung ihrer Wünsche jedes verfügbare Mittel recht war. Gleichzeitig zeichnet er aber auch das Bild einer in ihrem kriminellen herrschaftsdenken verblendeten Gesellschaft, die ohne Skrupel und Gewissen, die ihr sich bietenden Vorteile auszunutzen wusste.
Besonders deutlich stellt der Autor, das fehlende Unrechtsbewusstsein und die Selbstgerechtigkeit seiner Mutter heraus, die sich auch Jahre nach dem Ende des dritten Reichs jeden Gedanken an Mittäterschaft und Schuld von sich wies und - wie viele andere in ihrer Position - sich lediglich als Treibgut in den Wogen der Weltgeschichte sah.
Das Buch bietet einen interessanten Einblick in das Familienleben der Täter, zeigt die Kluft zwischen deren Anspruch an die "arische" Gesellschaft und der Wirklichkeit, die sich hinter den verschlossenen Türen im Privaten verbarg. Er bringt Erlebnisse zu Tage, die in keinen Geschichtsbüchern stehen und dennoch wichtig sind, um das dritte Reich und seine Täter zu verstehen. Leider bedient sich Niklas Frank nicht nur belegbarer Quellen, sondern verliert sich mancherorts in diffamierende Einzelheiten (Gedankengänge während des Geschlechtsverkehrs u.ä.), die kaum belegbar erscheinen und für eine weitere Charakterisierung der Protagonisten auch ohne Notwendigkeit sind. An ihren Taten sind sie unschwer zu erkennen.
Ein "must have" zum Verständnis des dritten Reiches.