Mit Rosamunde Pilcher wird landläufig eine rührselige Liebesgeschichte verbunden, die mit klingenden Hochzeitsglocken ihr Ende findet. Grund genug also, einen weiten Bogen um ihre Bücher zu machen, wenn man nicht gerade diese spezielle Art von Literatur sucht. Wer so denkt, bringt sich jedoch um eine kleine Erzähl-Perle. Ihre biographischen Betrachtungen einiger Jugendjahre sind äusserst bezaubernd und ohne jede Form von Kitsch. Die leider äusserst knappe Erzählung - die bescheidene Seitenzahl ist der grösste und einzige wirkliche Schwachpunkt dieses Büchleins - ist aus Sicht eines Kindes erzählt und Rosamunde Pilcher behält diesen Stil bis zuletzt bei. Sie schildert die Ereignisse so, wie es wohl ein Kind erzählt hätte - mit einer Portion Naivität und Altklugheit aber auch mit dem unverholenen Charme einer Zehnjährigen. In einer niedlichen Sprache erzählt das Mädchen, wie es aufgewachsen ist, wie es unter der religiösen Einstellung der Mutter gelitten hat und sich erst bei der Familie ihrer Freundin wirklich entfalten konnte.
Das sehr schön aufgemachte Büchlein eignet sich hervorragend als Geschenk bei einem Krankenhausbesuch, als Mitbringsel bei einer Einladung oder einfach als Geschenk an jemanden, der in der Regel nicht viel liest.
Ein anderer Pilcher - und ein wirklich bezauberndes Buch.