Erzählt wird ein Ausschnitt aus dem Leben eines homosexuellen Jungen aus London. Jazz fühlt sich zwar unheimlich cool, aber von der Familie unverstanden und glaubt ohnehin die ganze Welt sei heimlich gegen ihn. Das Kreuz, das er zu tragen hat, ist aber auch ungemein schwer, seine Eltern streiten dauernd, er muss zur Schule gehen und ist schwul und obendrein auch noch (fast) 17 - ja das Leben ist schon hart.
Das könnte durchaus Stoff für eine ganz amüsante Geschichte sein, wenn sie nicht so furchbar klischeehaft umgesetzt wäre. Aus der Ich-Perspektive verfasst führt Jazz uns mit seinem überzogen originell wirkend wollenden Teenagerslang, den es in der Realität so garantiert nicht gibt, durch seine Ich-zentrierte Welt. Viel zu simple, geradzu lächerliche Sätze lösen hochgestochenen Stil ab, das ganze wirkt nicht einheitlich, der Autor hätte sich besser entscheiden sollen.
Ich persönlich denke man kan jedes Buch mögen, solange man den Hauptcharakter mögen kann. Jazz kann man leider gar nicht mögen. Für ihn zählt nur eines und das ist er selbst. Probleme von anderen Menschen, wie seiner Freundin Al, seiner Eltern, oder seines Lehrers, werden von ihm zwar immer wieder registriert, aber geflissentlich ignoriert, denn das geht ihn ja schließlich nichts an. Nicht mal der Selbstmord eines Mitschülers berührt ihn wirklich. Jazz ist einfach alles, was ihn nicht direkt betrifft, scheißegal. Das betont er so oft, dass es nervt. Es mag ja sein, dass man sich selbst mit 17 Jahren nun mal für das Zentrum des Universums hält, aber für mich hat es das Buch sehr unsympatisch gemacht.
Der Titel "Meine Sicht der Dinge" hatte in mir die Erwartung geweckt irgendeine Art von Lebensphilosophie vermittelt zu bekommen. Leider "Mir ist eh alles scheißeagl" nicht sehr befiedigend. Ich fand das Buch etwas enttäuschend, aber als kurzweiligen Zeitvertreib akzeptabel. Mehr aber auch nicht.