Dies dürfte, zu meinem Entsetzen, die wohl entsetzlichste "Dokumentation" sein, die jemals gedreht wurde. Wer allen Ernstes erwartet, hier etwas über Maria Schell zu erfahren, wird schnell eines Besseren belehrt - oder vielmehr eines (weitaus) Schlimmeren.
Maria Schell, ihr Leben und ihr gesundheitlicher Zustand werden hier nämlich allein zum Vorwand genommen, damit sich nach und nach, der gesamte Schell-Clan in peinlichster Weise als Gutmenschen in Szene setzen kann. Und wie sie sich dabei gerieren, ist an Erbärmlichkeit kaum zu unterbieten. Normalität vorgaukelnde Spielszenen, deren künstliche Gestelztheit durch unterlegte Geigenklänge in pathetische Regionen getreiben werden, von denen kein Provinztheater jemals zu träumen wagte, wechseln mit dem stereotyp wiederholten Bekenntnis, was für ein guter Mensch sie - Maria Schell - doch sei. Womit die Informationsflut über die titelgebende Figur schon erschöpft wäre.
Der Rest besteht aus Maximilian Schell, Maximilan Schell, Maximilian Schell sowie seiner Tochter, seiner Frau, seinem... Und allen geht es so verdammt offensichtlich nur um Eines: sich selber darzustellen. Ob seine Frau einen schmachttriefenden Brief vorliest oder er selbst ein Gemälde von Rothko zu ihren Gunsten versteigern lässt - Maria Schell bildet immer nur den gierig ergriffenen Anlass, die eigene Persönlichkeit zu präsentieren. Oder vielmehr den eklatanten Mangel an selbiger.
In Österreich gibt es dafür ein schönes Wort: Outriertheit. Und dieser Film ist die perfekte Beschreibung dafür.
Falls jemand denken sollte, ich würde hier übertreiben, der kann es gerne unternehmen, sich diesen Film anzutun. Eine Viertelstunde sollte genügen, um diese Vermutung nachhaltig zu zerstreuen. Was sage ich, allein schon die ersten fünf Minuten reichen!
Letztendlich bleibt für mich nur eine Frage: warum hat Herr Schell diese desinteressierte Hinrichtung dritter Klasse nicht gleich: "Ich, Maria Schells Bruder" genannt. Es würde weder dem Film, noch Maria Schell helfen. Aber es wäre zumindest ehrlicher gewesen.
Prädikat: abartig, peinlich, beschämend, unerträglich, entwürdigend (sic!), entlarvend.
PS: Es bleibt zu hoffen, dass eines Tages doch noch eine Dokumentation erstellt werden wird, die Leben und Werk von Maria Schell zu würdigen weiss.