dieses buch habe ich im letzten herbst komplett gelesen und möchte ein paar gedanken dazu schreiben:
zum buch allgemein: es liest sich interessant, flüssig, ähnlich wie ein tagebuch und man erfährt meiner meinung nach doch einiges neues über madonna, es sind sehr nette kleine anekdoten dabei, die teilweise recht witzig sind, teilweise aber auch kopfschütteln verursachen. die kritische auseinandersetzung zur person madonna finde ich auch als fan sehr interessant. ich sehe madonna nach dem buch weder positiver, noch negativer. ich kann sie in vielen punkten sogar besser verstehen: nämlich vor allem das es sehr schwierig sein muss, solch ein leben in ihrem extrem zu führen: jeder will was von ihr, viele wollen mit ihr befreundet sein und es ist wirklich schwer abzuwägen, wer es denn nun wirklich ernst meinen könnte. klar hat sie sich dieses leben selbst ausgesucht, vor allem ihre stärke, auch sämtliche krisen durchzustehen ist beachtlich, während andere berühmtheiten häufig an den dingen, die um sie herum geschehen zerbrechen.
zum ende hin wird das buch allerdings ein bisschen schwerer verdaulich, da chris ciccone versucht, madonna sehr einseitig darzustellen und sich als unverstandenes opfer von ihr betrachet... ich sehe genau darin den knackpunkt: er ist tatsächlich zum teil ein opfer, was er sich meiner meinung nach grösstenteils selbst zuzuschreiben hat. da trifft es sich gut, das ein (wohlgemerkt) erwachsener mann, einen grossteil der verantwortung an die berühmte schwester abschiebt... ab dem jahr 2000 (kapitel "hochzeit") liest sich das buch recht einseitig und lässt christopher selbst in sehr schlechtem licht erscheinen und teilweise macht er auf mich einen mehr als naiven eindruck...
zu christopher/madonna: und dann ist da auch noch ein bruder der sagt, das sie ihm 100%ig vertrauen kann, der aber doch oftmals nicht den a**** in der hose hat, ihr seine wahre meinung zu sagen... von einem erwachsenen mann, der zu seiner schwester ehrlich sein will, sollte man das durchaus erwarten können. in diesem fall widerspricht er sich unglaublich oft. warum ist es ihm so peinlich zu sagen, das er ihr garderobier bei den ersten tourneen war? wäre er nicht zu ihr nach new york nachgekommen, wäre er wahrscheinlich ziellos in michigan versauert. wer weiss? in gewisser hinsicht aber kann ich christopher verstehen, ich verstehe sogar seine unentschlossenheit, die sich darin ausdrückt, das er viel zu viel auf einmal machen will, er aber vielleicht somit einer wirklich ernsthaften eigenen karriere immer im weg stand: malen, dekorieren, regie, garderobier, empfangsboy, innenarchitekt, designer, tänzer, partyorganisator etc, um nur einige zu nennen. andererseits kommt er mir oft wie ein trittbrettfahrer vor, der sich gern im licht seiner schwester und dem anderer megastars aalen will - ob man es ihm verdenken kann/soll lässt sich schwer beantworten. manchmal verfällt christopher aber auch in eine art selbstmitleid, die teilweise schwer zu lesen ist, weil dies aus - teilweise - purer naivität seinerseits zeugt... in der zeit in der er mit madonna arbeitete und gefühlte 1000 andere jobs hatte, muss er doch eine ganze menge geld verdient haben, seine chronische finanznot resultiert meiner meinung nach daraus, das er einfach über seine verhältnisse gelebt hat, was er ja auch andeutet.
allerdings glaube ich auf keinen fall an eine baldige versöhnung zwischen ihm und madonna, dafür ist das buch ein zu heisses eisen! vielleicht in ferner zukunft, aber so bald wird das auf keinen fall geschehen, dafür hat er mit diesem buch madonnas kontrollverhalten zu sehr entgegen gewirkt. wünschen würde ich es madonna und christopher trotzdem, die beiden haben so viel durchgemacht und erlebt...
FAZIT: trotz einiger haarsträubender momente, ein absolut empfehlenswertes buch, da es mit christopher ciccone ein mensch geschrieben hat, der wirklich viel zeit mit madonna verbracht hat und es sich grösstenteils gut lesen lässt. madonna kommt meiner meinung nach nicht allzu schlecht weg, wie ich vorm lesen des buches dachte. auch die enthaltenen fotos finde ich zum teil sehr beeindruckend. man erfährt z. b. auch viel zur entstehung der "girlie show" und überhaupt wird das thema "tourleben" sehr gut durchleuchtet, das sind wunderschöne momente in diesem buch. mir gefällt die beschreibung der anfangsjahre in new york - wie fast in jeder madonna-biografie - am besten, aber diesmal hat man auch einiges neues aus der sicht eines wirklichen insiders erfahren... für fans und nicht-fans sehr interessant und aufschlussreich!