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Meine Reise zu Chaplin: Ein Encore (suhrkamp taschenbuch)
 
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Meine Reise zu Chaplin: Ein Encore (suhrkamp taschenbuch) [Taschenbuch]

Patrick Roth
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 96 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (25. November 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 351839939X
  • ISBN-13: 978-3518399392
  • Größe und/oder Gewicht: 18,5 x 11,9 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Patrick Roth
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

«Thank your letter»

Patrick Roths «Reise zu Chaplin»

Am Neujahrstag des Jahres 1976 betrat unangemeldet ein junger Mann, der von weit her an den Genfersee gekommen war, das Anwesen des greisen Künstlers, den er wie keinen Menschen auf der Welt verehrte. Ganz geheuer war ihm nicht, denn in Los Angeles, wo er seit gut einem Jahr studierte, wurden Unbefugte kurzerhand erschossen, jedenfalls soll dergleichen mehr als einmal vorgekommen sein. Dennoch schien es ihm, als werde er erwartet. Das Tor war angelehnt, und nichts regte sich auf das «scharfe Gebell» des Wachhunds, der blindwütig an seiner Kette zerrte: kein Hausmeister, keine bulligen Leibwächter, keine Kommandostimme, die zur Umkehr aufgefordert hätte. So bewältigte Patrick Roth ungehindert den am meisten gefürchteten Abschnitt seiner «Reise zu Chaplin» – das weite Land zwischen Grundstücksgrenze und Dienstboteneingang. Der Brief, den er dort abgab, war der Brief des ewigen deutschen Jünglings an seinen Meister.

Nun, zwanzig Jahre später, scheint der Schreiber sich selbst geschichtswürdig geworden zu sein und lässt seine Pilgerfahrt nach Vevey in einem «Encore» Revue passieren, dessen Herzstück der offensichtlich nie vergessene Inhalt jenes Briefes ist, eine cineastische Erweckungsgeschichte, die den sterbensmüden «Artifex» und «Urvater», obwohl er seinen glühenden Verehrer nicht mehr empfing, zum Weinen gebracht haben soll. In der hermeneutischen Miniatur über den Film, «der mein Leben verändert hatte», setzt Roth nicht nur diesem ein Denkmal, sondern auch der Emphase des jungen Gaststudenten, der er selbst gewesen ist, als er «City Lights» zum erstenmal sah, in einem amerikanischen Kino wie aus dem Kino.

Diesem Autor scheinen seine Kulte so kostbar zu sein wie die Etappen des eigenen Lebensfilms: Patrick Roth, der seit immerhin 20 Jahren in den Staaten lebt, ist ein deutscher Pathetiker. Deutsch, schwärmerisch nämlich und kasuistisch zugleich, ist sein amor intellectualis zu den Epen und Mythen Hollywoods und von heiligem Ernst bestimmt seine «Liebe zu Chaplin». Zum grossen Gesang gerät in der Nachdichtung Roths die anrührende Geschichte vom «Tramp», der einem blinden Blumenmädchen das Geld für die Augenoperation beschafft und von der Geheilten (und heimlich Geliebten) erst wieder erkannt wird, als sie für einen Moment seine Hand in der ihren hält: «Ernst sieht sie ihn an / Fühlt und streicht seine Hand / Lässt nie mehr jetzt ab / von den Augen . . . / Denn da / In diesem Augenblick: / war das Andere. [ . . . ] Und alles Sehen half nicht mehr, auch der hilflosen Frau nicht, die / erkannt hatte.» – Es ist diese letzte Sequenz von «City Lights», die seinerzeit dem jungen Chaplin-Fan zum «heiligsten Moment der Filmgeschichte» geworden war und ihn verwandelt hatte – in einen Jünger: «The visual is denied. Das ist das Grosse. Das Sehen wird zurückgewiesen, vom Seher, Chaplin. Dem Medium, in dem er arbeitet, wird widersprochen. Und Eingang geschaffen einem anderen, Grösseren. Dem Fühlen der Hand, die dem Sichtbaren vernichtend widerspricht. Denn was die Hand fühlt, ist unsichtbar.» Die Hand, wird gefolgert, ist weise, so wie das Auge töricht und verführbar ist, denn sie fühlt nur, was zählt – die wahre Natur des Gegenübers, beginnend am «zweiten Fingergelenk, dem mittleren», dort, wo ein nicht weniger Rührendes endet, «die ganze Menschheit» nämlich, die ja nach Goethe der Mensch erst ist:

«Bis zum zweiten Fingergelenk, dem mittleren, könnte, so scheint es, die Hand ‹noch jedem› gehören. [ . . . ] Es ist, als seien unsere Finger ‹blind›, bis hin zum zweiten Knöchel. Um uns sehen zu lassen, dass einer immer schon im anderen beginnt.»

Solche Einsichten, die nicht bloss feinnervig sind, sondern von einer Humanität, die sich sinnfällig übersetzt, sind Lichtpunkte in einem Text, der im ganzen arg von sich selbst ergriffen ist. Der hieratische Gestus und die elaborierte Intellektmüdigkeit von Roths Prosa erscheinen, wie fast immer das Raunen vom Ganzen und Wahren, zumeist doch unauthentisch, abgeleitet, schein-magisch.

Was uns freilich Tränen in die Augen treibt und auch den Ladenmädchen, die ins Kino gehen, ist der faksimilierte Schlusssatz des Buches. Der aber stammt von einem Sechsundachtzigjährigen, den das rührende Schreiben eines aufgeweckten «jeune homme» so sehr bewegt hat, dass er alle Scham darüber vergisst, die Feder nicht mehr führen zu können, und dem jungen Mann eine Photo widmet. Ihm dankt für die Erinnerung an früher, ihn um Nachsicht bittet, weil er doch sehr gebrechlich sei, und alles Gute wünscht für seine Zukunft in Los Angeles, sei's als Regisseur oder als Schriftsteller. Wortlos dies alles. Und dann, Buchstabe um Buchstabe, mühsam gesetzt: «Thank your letter – Charlie Chaplin».

Andreas Nentwich -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

"Patrick Roth schafft es, uns durch Leidenschaft und Kalkül, durch intimes Erzählen und kluge Konstruktion zugleich zu verführen, uns mit auf die 'Reise zu Chaplin' zu nehmen." (Hubert Winkels, Die Zeit)

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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von weiser111
Format:Gebundene Ausgabe
Patrick Roth nennt seine Erzählung "Meine Reise zu Chaplin" ein "Encore", also eine Zugabe. Und tatsächlich, man kann diese Hommage à Chaplin gut als einen "Zugabe"-Ruf des Bewunderers Roth an den großen Regisseur und Schauspieler Chaplin betrachten. Es steckt aber noch viel mehr hinter diesem Encore: "Encore" ist auch der Name eines Programmkinos in Los Angeles, in dem der Ich-Erzähler als Filmstudent zum ersten Mal Chaplins Film "Lichter der Großstadt" gesehen hat. Eine Begegnung mit Folgen, wenn nicht sogar ein Damaskus-Erlebnis des ambitionierten Filmstudenten, den bislang vor allem allerlei techische Finessen der Filmkunst fasziniert hatten. Chaplins Film konfrontiert ihn mit dem elementaren Begriff des Sehens, und die Schlüsselszene aus "Lichter der Großstadt" wird ein Leitmotiv von Roths Erzählung: Das wieder sehend gewordene Blumenmädchen erkennt seinen Wohltäter, den Tramp, nicht mit den Augen, sondern mit den Händen. Das elementarste Sinnesorgan, der Tastsinn, siegt über das Auge -- eine der ergreifendsten Filmszenen, die der Augenmensch Chaplin jemals auf die Leinwand gebracht hat.
Den größten Teil der Handlung in "Meine Reise zu Chaplin" nimmt jedoch eine Reise des Erzählers ein, der über die Weihnachtsferien wieder nach Europa gekommen ist und nun in Vevey das unerreichbare Vorbild mit göttlichen Attributen, eben Charlie Chaplin, besuchen und ihm einen Brief übergeben will. Und eben diese detailliert geschilderte konkrete Wallfahrt zu Chaplin wird zu seinem zweiten "Encore"-Erlebnis, und gleichzeitig zu einer Reflexion über das Sehen -- nicht umsonst beginnt die Erzählung in der Kindheit des Erzählers mit dem Satz "Alles beginnt im Dunkeln", und nicht umsonst erfolgten die ersten Annäherungen des noch jugendlichen Erzählers akustisch. Das Sehen, genauer gesagt das Sehen-Können, muss erst gelernt werden. Die Begegnung zwischen dem Erzähler und Chaplin findet konsequenterweise nur indirekt statt, über den Brief, den ihm seine Frau Oona vorliest und der ihn zu Tränen rührt.
Patrick Roths Hommage lässt sich aber noch auf andere Arten lesen: So erinnert z.B. seine Reise zu Chaplin, die Taxifahrt bis zum Tor des Anwesens in Vevey, seine theoretischen Überlegungen und praktischen Versuche, durchs Tor zu gelangen, seine Begegnungen mit einem Wachhund und mit hilfreichen Bediensteten, selbst an einen Chaplin-Film; der Ich-Erzähler wird zum Tramp (auch dies übrigens eine indirekte Begegnung zwischen Erzähler und Chaplin). Dieser Eindruck wird umso stärker, als die Erzählung selbst Verfahren des Films aufgreift und literarisch umsetzt.
Bei aller erzähltechnischen Rafinesse verliert Roth aber nie das Wesentliche aus den Augen; seine Reise zu Chaplin liest man nicht wie ein nüchterner Beobachter, man liest sie so, wie man einen Chaplin-Film sieht, und schwebt zwischen Lächeln und Wehmut.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von F. Martin
Format:Taschenbuch
„The world cannot be wrong, if in this world there is you" so seine Textzeile aus Chaplins Komposition „This is my song" (aus "Die Gräfin von Hongkong"). Er, Charles Spencer Chaplin, das Jahrhundertgenie, war in dieser Welt. Den Tramp hat er uns dagelassen. Und der bleibt unter uns. Danke, Charlie! Ich zitiere aus der „New York Times": „Über Chaplin kann nichts mehr gesagt werden, was nicht schon Dutzend Mal gesagt wurde, und die meisten Leute interessiert es ohnehin nicht, was über ihn gesagt wird. Sie gehen hin und lachen - und einige verstehen sogar, warum sie lachen". Nicht jeder lacht. Manche müssen weinen. Vor Glück und vor Freude. Und vor Rührung. Dazu gehört Patrick Roth. So schildert er uns das Ereignis einer Berührung zwischen dem verlorenen Tramp und einer geliebten Frau (in „City Lights") als den „heiligsten Moment der Filmgeschichte". Das lässt ihn nicht mehr los. Glaubt sogar, Chaplin habe gesamt nur für diese eine Szene gelebt. Patrick Roth sucht unbedingt die Begegnung mit dem Filmgenie. Und er begibt sich auf eine Reise zu Chaplin. Im Gepäck: einen Liebesbrief an den Tramp. In der Schweizer-Chaplin-Residenz „Manoir de Ban" öffnet man ihm die Türen. Chaplin persönlich trifft er nicht. Aber Oana liest Charlie den Brief vor. Und der alte Mann bedankt sich: „Thank your letter - Charlie Chaplin". Und davon erzählt uns Patrick Roth. Eine Reise, um die ich ihn beneide. Ein Buch, bei dem ich weinen könnte (vor Rührung freilich). Und jetzt ganz wichtig: Wann fährt der nächste Zug nach Vevey?
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Coming from the heart .... 6. Februar 2003
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Dieses Buch ist wirklich wundervoll geschrieben & jeder der die Passion für Chaplin teilt, wird es lieben, weil es ohne grosse Umschweife einfach nur von Herzen kommt. Es erzählt von einer Reise für die ich leider ein paar Jahre zu spät geboren wurde, sonst hätte ich sie auch gern gemacht :o)
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