7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
" Wahr ist, dass alles, was sie über mich lesen, unwahr ist.", 14. Januar 2010
MEINE MUTTER MARLENE entdeckte ich zufällig im Regal einer Bekannten, und aus Neugierde legte ich irgendwann mal damit los.
Die unglaubliche Reise beginnt im Deutschland der Kaiserzeit, in dem die kleine Maria Magdalena aufwächst. Anschliessend wird die Zeit des ersten Weltkrieges erzählt und ab den 20er Jahren gehts dann so richtig los mit der großen Karriere der noch größeren Marlene Dietrich.
Maria Riva lässt in diesem Buch nichts aus. Pikante Details füllen fast jede Seite, und viele kleine Anekdoten, die man sich im Laufe eines Jahrhunderts über MD so erzählt hat, werden bestätigt oder als Lügen entlarvt.
Wir sind praktisch "live" dabei, wie die herrlichen Filme der 30er Jahre entstehen und Marlene sich die schönsten Kostüme ausdenkt, die es bis dato auf der Kinoleinwand zu sehen gab.
Viele andere Prominente werden erwähnt, und schon nach dem ersten Drittel der Lektüre ist die Zahl der Liebhaber und -innen unüberschaubar.
Dadurch, dass Maria Riva ständig mit ihrer Mutter zusammen war, konnte sie von klein auf beobachten, was sich alles in ihrem Umfeld abgespielt hat.
So werden wir Zeuge von verspielten Gartenparties für Kinderstars, bei denen der "Gastgeber" Judy Garland nicht mitmachen darf, von rauschenden Festen an der französischen Mittelmeerküste, von Hausbesuchen solch illustrer Zeitgenossen wie der französischen Dichterin Colette. Wir erleben den Lifestyle der sogenannten "Promis" und feiern gemeinsam mit der Familie Kennedy, wühlen uns durch Kartons mit Federn, bis das richtige Exemplar für den neuen Hut gefunden wurde, erleben Marlene bei der Anprobe bei nahmhaften Designern in Paris und bekommen einen flüchtigen Eindruck davon, wie es sich als Filmstar in dieser Zeit gelebt haben muss.
Zusätzlich verrät uns "die Tochter von", wie schwer sie es selbst Zeit ihres Lebens hatte. Dass das Familienleben mit dem "Star" als Mutter eher gelitten hat und dass menschliche Grausamkeiten sogar in den besten Familien vorkommen.
Der oft bissige Schreibstil von Maria Riva ist amüsant und erfrischend. Manche ihrer Ansichten entsprechen genau dem Weltbild, in dessen Zeit sie gross geworden ist: Amerika als führsorgliche Über- und Supermacht, die über fast jeden Zweifel erhaben ist.
Zusätzlich räumt sie gründlich mit einigen glorifizierenden Geschichten über ihre Mutter auf und entlarvt, dass der heldenhafte Dienst am Schützengraben, den Marlene selbst immer sehr dramatisiert hat, nichts weiter war, als ein knallharter Job mit einigen wenigen Auftritten vor Frontsoldaten und nicht das Martyrium, das Marlene immer so bilderreich beschrieben hat. Kein Soldatenkonzert an der Front unter Lebensgefahr, sondern eine professionelle Show mit allen Vorzügen, die ein Promi seinerzeit in der Armee geniessen konnte.
Fairerweise muss man Frau Riva zugute halten, das sie dies nicht abfällig erwähnt. Sie betont die Einsatzbereitschaft ihrer Mutter und ihre Courage, aber sie bleibt bei den Tatsachen.
Ausserdem schwingt in späteren Kapiteln immer wieder mal ihre Verbitterung darüber mit, dass Marlenes "Fan-Mafia" ( so nennt sie sie ) jedes Märchen glaubt und die eigenen direkt noch dazu erfindet.
Maria Riva ist weder frustriert noch irgendwie gestört. Diese Aussage gehört für einen hardcore Marlene-Fan aber zum Feindbild der "bösen Tochter" dazu. Leider.
Sie zeigt uns vielmehr, dass die "Legende Marlene Dietrich" zwar unantastbar ist, aber dass der Mensch Maria Magdalena Siebert keineswegs die Traumehefrau und -mutter war, die sie der Welt nur zu gerne präsentiert hat.
Als Mensch hatte sie gute Züge, aber auch sehr große Defizite und Schwächen. Wer lieber an die Legende glaubt und vor sich hinschwärmt, muss das Buch nicht lesen oder soll es nach der Lektüre verkaufen.
Allen anderen kann ich dieses unterhaltsame Werk nur empfehlen.
5 Sterne :-)
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
....und doch lebt der Mythos weiter...., 22. März 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Meine Mutter Marlene. (Taschenbuch)
Maria Riva hat, ohne zu beschönigen, in diesem Buch auch die dunklen Seiten ihrer talentierten Mutter Marlene Dietrich aufgezeichnet. Sie lässt uns teilhaben an deren und der eigenen Jugend. Sie verheimlicht nichts, auch nicht ihre eigenen Fehler, und sie zeigt eine Marlene, wie wir sie noch nie gesehen haben. Immer wenn ich den Namen "Marlene Dietrich" hörte, erschien mir ein Rätsel, das gelöst werden muss... Maria Riva liefert mit diesem Buch den Schlüssel dazu, und sie tut es gut.
Erst befürchtete ich, dass der Mythos "Marlene" verloren geht, doch je weiter das Buch fortgeschritten ist, desto mehr war ich davon überzeugt: "Der Mythos lebt weiter"... Die Wahrheit über eine Legende! Sehr empfehlenswert!
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20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Immer diese alberne Tonne...!" (M. Dietrich), 15. September 2002
Rezension bezieht sich auf: Meine Mutter Marlene. (Taschenbuch)
Mein Interesse für Marlene Dietrich wurde insbesondere durch Joseph Vilsmaiers Verfilmung „Marlene" mit Katja Flint geweckt und hat seitdem stetig zugenommen. Sicher - der Film ist zurecht umstritten, erscheint er doch beim wiederholten Sehen immer kitschiger und enthält bei genauer Betrachtung auch viele unrealistische Elemente. Und dennoch kann er wesentliches dazu beitragen, uns den Zauber und die Magie dieser Diva vor Augen zu führen und uns mit ihren Allüren und der traumhaften Dietrich'schen Musik bekannt zu machen.
So scheint es verständlich, dass man irgendwann „alles" über das Leben dieser Legende erfahren möchte und infolge dieses Wunsches griff ich auf die Biographie ihrer Tochter zurück, die zwar vermutlich eine der dicksten, aber wohl auch eine der authentischsten sein dürfte.
Mit diesem einfühlsamen zugleich aber auch sehr kritischem Werk ist es Maria Riva gelungen, ein Buch zu schreiben, welches das Interesse der Leser über 900 (!!!) Seiten zu halten weiß. Sie führt uns durch persönliche Tagebucheintragungen der jugendlichen Dietrich in deren Leben ein und wird später zur Kommentatorin des Schaffens und Seins ihrer Mutter. Bemerkenswert finde ich, dass Riva sich trotz subjektiver Meinungen nie in den Mittelpunkt des Geschehens stellt, sondern den Kern der Erzählung immer auf ihre Mutter fokussiert. Wir werden eingeführt in die Karrierehöhepunkte, aber auch -krisen, in die zahllosen Liebschaften der Dietrich zu beiderlei Geschlecht und in die komplizierte Beziehung zwischen der Diva und ihrer Tochter, die nicht zuletzt wegen ihrer Mutter zeitweise dem Alkohol verfiel.
Auf die Bestätigung, dass Marlene einen unglaublichen Humor aber auch Disziplin gehabt haben muss, folgt die Überraschung, dass ihre Schönheit viel mit Mogelei zu tun hatte, in dem sie ihren Körper beispielsweise in maßgeschneiderte Mieder quetschte oder aber Bekenntnisse, dass sie mit über 60 Jahren nicht wusste, was man unter dem Begriff KONDOM versteht.
Diese Biographie lässt das Leben der Marlene Dietrich auf einzigartige Weise Revue geschehen, lädt ein zum Nachdenken, aber auch Schmunzeln und bietet an vielen Passagen reichlich Stoff zur Diskussion. Wer dieses Buch gelesen hat, wird das Interesse an der Dietrich nicht verlieren, doch lernt man, sie differenzierter zu sehen, denn neben dem Positiven hat Riva auch stets darauf geachtet, die negativen Züge dieser Legende, derer es auch unzählige gab, aufzuführen.
Ein sehr empfehlens- und bemerkenswertes Buch mit einem Ende, dass einen traurig stimmt, obwohl man dieses eigentlich schon auf Seite 1 kennt!
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