"Da hast Du echt was verpasst", konnte man bisher jedem Kulturbanausen zurufen, der einen Sven-Regener-Blog nicht verfolgt hatte. Das Argument ist mit dem Erscheinen des Buches "Meine Jahre mit Hamburg-Heiner. Logbücher" erloschen, enthält dieses doch das gesammelte Blog-Werk des hochgeschätzten Sprachkünstlers und Musikers Sven Regener, dem Erfinder von Frank Lehmann.
Die einen können also Versäumtes nachholen, die anderen in Erinnerungen schwelgen, sich satt lesen ist unmöglich. Eine wahre Wonne sind die acht Blogs aus fünf Jahren auf über 400 Seiten.
Alles begann im September 2005: Sven Regener zählte die Tage bis zum Erscheinen des Albums "Mittelpunkt der Welt" seiner Band Element of Crime. Er schnupperte erstmals Blog-Luft, wirkte mal lustlos, mal getrieben, beides mit ganz viel Understatement. Hamburg-Heiner tauchte anfangs nur sporadisch auf (im Fokus stand eher Thomas M. Stein), übernahm aber im Laufe des bloggens eine immer größer werdende Rolle - ob beim Weihnachts- oder Tourblog, ob im "Spiegel" oder in der "taz", Hamburg-Heiner meldete sich mit schöner Regelmäßigkeit, sonst hätte man ihn vermisst.
Am 1. März 2007 gab es erstmals ein Posting mit Foto, viele weitere sollten folgen. Zunächst waren das richtig gute Aufnahmen, bildschöne Impressionen. Später kultivierte Regener die unscharfen, verwackelten Handy-Shots, die in Verbindung mit seiner Wortakrobatik das geistvolle Lächeln der Leserschaft antrieb. Die sprachliche Genialität eines Sven Regener zeigt sich nicht nur in seiner Dialog-Stärke, sondern auch in der stilistischen Wandelbarkeit: Mal lange verschachtelte Sätze mit Wiederholungen, die dann meist mit "Da muss ich mal drüber nachdenken" enden, mal wunderbar pointierte Statements wie "Stark." oder "Schlimm." mit denen jeweils alles wesentliche gesagt ist.
Seine Sympathie für das Kauzige, sein feinsinniges Humorniveau und seine grotesk-ehrlichen Alltagsbeschreibungen, wie man sie auch aus seinen Songtexten kennt, ließen jeden Regener-Blog zu einem pop-literatischen Highlight werden und sind auch im Nachhinein ein exzellenter Genuss.
Sven Regener, der die zahlreichen Kommentare zu seinen Postings angeblich nie las, bezeichnete sich einmal selbst als "einen mißtrauischen alten Zausel, der (') der zarten Pflanze seines Verfolgungswahns ein Düngestäbchen an die Wurzel steckt". So einen Menschen muss man einfach gerne haben. Möge der Dünger namens Hamburg-Heiner niemals ausgehen ...