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Meine Haßberge
 
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Meine Haßberge [Gebundene Ausgabe]

Gerhard C. Krischker , Erich Weiß
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktbeschreibungen

Der neue Tag, Weiden, Januar 2001

"Die Haßberge stellen der Autor Gerhard Krischker und der Fotograf Erich Weiß in einem reich bebilderten Bildband vor. In Text und Bildern fangen sie den stillen Zauber ein, der über dem herb-schönen Landstrich zwischen Bamberg, Schweinfurt und der bayerischen Landesgrenze mit seinen kleinen Dörfern und Städten liegt. Das Buch ist kein Reiseführer. Doch es macht Lust, diese vier Jahrzehnte im Schatten der innerdeutschen Grenze liegende Region zu besuchen."

Nürnberger Zeitung, Dezember 2000

"Autor Gerhard C. Krischker und Fotograf Erich Weiß haben (die Haßberge) neu entdeckt und mit ihren Mitteln beschrieben. Wie man Krischker kennt, kommen in seinem Text Wörter wie lieblich, heimelig, kuschelig nicht vor. Der Bamberger Stadtmensch schaut indes ganz genau hin. Deckt auch die weniger schönen Dinge auf und macht dennoch deutlich, wie anmutig dieser kleine, unspektakuläre Landstrich Frankens ist."

Mainpost, Dezember 2000

"Eine erfrischende Liebeserklärung an diese heile Wald-Welt."

Neue Presse Coburg, 19.10.2000

"Gerhard C. Krischker (...) verdichtet (...) frei nach Goethe und Wortsinn, was diese Landschaft auszeichnet, die für viele eher spröde ist und nur zögerlich ihre Schönheit offenbart. Der Fotograf Erich Weiß kam diesmal als Außenstehender (...) hinzu, der mit neugierigen Augen versucht hat, das Wesentliche zu sehen - in der ihm eigenen Ästhetik, die nichts beschönigt und nichts verklärt. Sein Blick in den gewittrigen Abendhimmel (...) gewinnt eine Dramatik, die nicht inszeniert, sondern aus sich selbst zu wirken scheint."

Kurzbeschreibung

Wie schon beim Vorgängerband Meine "Fränkische" kommt auch bei Meine Haßberge das Possessivpronomen nicht von ungefähr. Gerhard C. Krischker hat etliche Jahre selbst in den Haßbergen gelebt, hat also aus nahe-liegenden Gründen diesen Landstrich (dessen Grenzen sich heutzutage gar nicht mehr so einfach fassen lassen) kennen-, schätzen- und lieben gelernt. Mit dem nur auf den ersten Blick lakonisch wirkenden Satz "Über allen Haßberggipfeln ist Ruh" verdichtet er frei nach Goethe und im Wortsinn, was diese Landschaft auszeichnet, die für viele eher spröde ist und nur zögerlich ihre Schönheit offenbart. Der Fotograf Erich Weiß kam diesmal als Außenstehender, als "Auswärtiger" hinzu, der mit neugierigen Augen versucht hat, das Wesentliche zu sehen - in der ihm eigenen Ästhetik, die nichts beschönigt und nichts verklärt. Sein Blick in den gewittrigen Abendhimmel bei Altenstein gewinnt eine Dramatik, die nicht inszeniert, sondern aus sich selbst zu wirken scheint, seine Ansicht von Allertshausen ist eine Frage des Standpunkts: Von der dunklen, aufgebrochenen Erde her und durch die wie ein Rahmen fokussierenden Bäume gesehen liegt das Dorf im duftig-dunstigen Sommerglast so idyllisch, als wär's ein Bild von Caspar David Friedrich.

Klappentext

Gelbe Rapsbänder von kolchosenhafter Breite säumen den Straßenrand und grüne Meere, in denen wie Leuchttürme vereinzelte Obstbäume stehen. Eine heimliche und unheimliche Ruhe liegt über der Landschaft, zu der ein paar Felder noch ihren Senf dazu geben. Ausblicke überall- und nirgendwohin und eine Weite, die trotzdem irgendwie eng ist. Hier findest du keine Menschenseele – höchstens die eigene. Hier oben hat man das Gefühl, alles unter sich zu haben. Spazierengehen tut man in einem Dorf nicht. Schon gar nicht in Albersdorf. Höchstens als Frau am Sonntag zum Friedhof, der selbst wie eine Dorfstraße aussieht und vor dem man, damit man sich an der Trauer weiden kann, unter Trauerweiden eine rustikale Sitzgruppe aufgestellt hat. Spazieren, das klingt nach Müßiggang.

Über den Autor

Gerhard C. Krischker, 1947 in Bamberg geboren, studierte Germanistik und Geschichte in Erlangen und promovierte 1975 zum Doktor der Philosophie. Seither arbeitet er als Lektor in einem Schulbuchverlag. Der mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Autor arbeitet für Rundfunk, Fernsehen und Zeitungen; für 1997 wurde er mit der Poetik-Professur der Otto-Friedrich-Universität Bamberg betraut. Zu seinen letzten Buchver-öffentlichungen zählen das Bamberger Lesebuch II Irdisches und Himmlisches, die Dialekt-gedichtbände muggnschiisla und fai obbochd, das mit Robert Gernhardt realisierte Bändchen Das Wirtshaus im Spessart, die javanischen Ansichts/ja/karten sowie gemeinsam mit Erich Weiß Meine "Fränkische". Erich Weiß, 1955 in Hollfeld geboren, wurde zum Bauzeichner aus-gebildet, studierte Architektur in Coburg und Stuttgart sowie Sozialpädagogik in Bamberg. 1991 gründete er den Erich Weiß Verlag und arbeitet seither, auch als Mitglied der Gruppe "Arbeiterfotografie Bamberg", freischaffend als Fotograf und Verleger. Schwerpunkt seiner Fotografie ist die Darstellung von Lebensräumen. Mit seinen Arbeiten war und ist er in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen im In- und Ausland vertreten. Zu seinen letzten Buchveröffentlichungen zählen Bamberg anders, Benät - Keesköhl - Stazinäri, Praha - Bamberg, Alte Frauen und Venedig und mit Gerhard C. Krischker Meine "Fränkische".

Auszug aus Meine Haßberge von Gerhard C. Krischker, Erich Weiß. Copyright © 2000. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Meine Haßberge

Vielleicht liegt es doch am Namen, daß diese Gegend so wenig Liebhaber findet und gefunden hat. Haßberge. Nur wenige haben hierher ihren Fuß gesetzt, noch weniger ihre Versfüße. Diesem Landstrich kommt man offensichtlich mit dem Wanderstab näher als mit dem Buchstaben. Gemieden, oder besser gesagt verschont, wurde diese Region von den Reisebeschreibern und -schreiberlingen, denen kein Spruch zu dumm, kein Prominentensatz zu banal ist, als daß er nicht den zu beackernden Feldern die Weihen verliehe: Der pseudopoetische Flurumgang - hier hat er niemals und noch nicht stattgefunden. Kein jubilierender Reisefeuille-Ton dringt aus den Wäldern und Tälern. Über allen Haßberggipfeln ist Ruh. Und wenn es schon einmal einen hierher verschlägt, dem verschlägt es Vers und Sprache.
Wie also einsteigen - literarisch - in diese Landschaft und ihre Beschreibung? Ein Zitat wäre nicht schlecht. Ein Dichterwort. Eine Volksliedstrophe. Das ist er doch, der monotone Anfangs- und O-Ton fast aller Reise-Essays. Statt zu beschreiben, zitiert man wie Espenlaub.
Nur 14 Kilometer bis Haßfurt steht auf dem Schild an der Kreuzung in Ebelsbach, dem Tor - nein, dem Türchen - zu den Haßbergen. Dort residiert und räsoniert, geboren in Bamberg, aufgewachsen im Pendant der Haßberge, dem Steigerwald, Karlheinz Deschner, der profane Papst unter den Reisebeschreibern Frankens. Vor seinen Augen hat diese Gegend Gnade gefunden und sicherlich nicht nur, weil sie so gottverlassen ist:
"Etwas Verlorenes, Verlaßnes fast geht aus von diesem Land, dem am seltensten besuchten Frankens - als schreckten schon seine Namen ab: Haßberge, Grabfeld; als würfe der Todesstreifen im Norden weit seinen Schatten über schwingende Ebenen, sanftrückige Höhn; als läge da bereits, im Herzen Deutschlands, eine Art Niemandsland, wo im Spätherbst bloß Wind über dunstverwischte Felder fährt, bald Schnee violett in einsame Baumhorizontdämmerungen hügelt, um Ostern Schlüsselblumenwiesen sich schmal um Erlenbäche, Weidenstümpfe drehn, bis braun dann, erhitzt, das Korn im Flachen hinfiebert, während oben auf dem Kamm, waldverschlungen still, hochbussardüberkreist, der Rennweg wie für niemand zieht, für nichts - fern alles, weit, ein vergeßnes Land, ein Land, um zu vergessen."
Nein, das ist zuviel des Guten, zuviel der Wörter für eine karge Schönheit, zuviel Poesie für eine Landschaft, die selbst ein Gedicht ist.
Also immer noch kein passendes Dichterwort, immer noch kein poetisches Passepartout für mein Landschaftsbild, immer noch nicht viel weiter gekommen. Doch, bis nach Gleisenau, das mit Ebelsbach gleichsam zusammengewachsen ist. Ein ganz gewöhnlicher Ort, wie man ihn überall findet. Viel neues rechteckiges Weiß, das planlos den Hang hinaufkriecht, ein bißchen Altes, Fachwerkliches unauffällig am Rand, ein schmuckes evangelisches Kirchlein, das man im Dorf gelassen hat, ein barockes Schloß, an und in dessen Gartenanlage die hier residierenden Grundschüler Geometrie lernen können, zwei Gasthöfe, von denen einer einem der vielen gehört, die hier Zehendner heißen. Gleisenau ist das Nadelöhr, die Straße verjüngt sich im Asphalt, hier muß man durch, dann ist man drin, nein, nicht in den Haßbergen, in den Tälern dieses - ich scheue das Wort, weil es "angebräunt" ist - Gaues.

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