Der 1978 geborene Zeichner und Regisseur Riad Sattouf verbrachte seine frühe Kindheit in Algerien, Libyen und Syrien und siedelte im Alter von 10 Jahren nach Frankreich um.
In dem autobiografischen Band "Meine Beschneidung" berichtet er von seiner Kindheit im Mittleren Osten - und löst damit bei mir tiefes Mitgefühl und große Betroffenheit aus. Denn wirklich kind- und altersgerecht ist das, was dem Jungen täglich passiert, nun wirklich nicht. Erst staunt er über die Champion-Penisse seiner Cousins derweilen er noch einen "Rüssel" trägt. Auch, dass er im Gegensatz zu allen anderen Kindern blond statt schwarzhaarig ist, lässt ihn an seinen Wurzeln zweifeln. Hinzu kommen Prügelstrafen eines cholerischen Lehrers in der Schule und ein wortkarger, liebloser Vater, der eines Tages beschließt, Riad verspätet beschneiden zu lassen.
Egal, wo der Junge nach Informationen zu der für ihn abstrakten Beschneidung sucht, überall stößt er nur auf eine Mauer des Schweigens und der Ablehnung. Oft weint sich Riad vor Angst in den Schlaf, befürchtet er doch, dass sein Pimmel ganz abgeschnitten wird. Selbst ein ihm für die Beschneidung versprochener Spielzeugroboter wird zu einer großen Enttäuschung für den Jungen.
Sattouf berichtet in seinem Comic-Band aus seiner Kindheit und dem - im doppelten Wortsinn - einschneidenen Erlebnis der Beschneidung mit schlichten Zeichnungen, die mit Sprechblasen und weiteren Textblöcken ergänzt werden.
Etwas aufgelockert wird die Erzählung über den isolierten Jungen dann, wenn er zusammen mit seinen Cousins Szenen aus dem Schwarzenegger-Streifen "Conan - Der Barabar" nachspielt (den Film haben die Jungs auf Video gesehen), oder ihn die heruntergekommenen, in der Sowjetunion ausrangierten, Busse, mit denen er in die Großstadt Homs fährt an das versiffte Mos Eisley aus Star Wars erinnern.
Mich hat Riad richtig angerührt. Ein kleiner Comic-Band mit großer Wirkung. Hervorragend!