Die Gnostiker (die alten, die mittelalterlichen, die modernen) werden von der Kirche seit zweitausend Jahren als Ketzer bekämpft, weil sie nicht nur glauben ("Fides"), sondern auch wissen ("Gnosis") wollen. Sie wollen keine Schafe sein, die für die Begegnung mit Gott den Schäfer ("Pastor") brauchen, sie sind bemüht, allein und selbst mit Ihm in Beziehung zu treten. Natürlich paßt der Kirche eine solche Einstellung der "Schafe" nicht, denn die "Schäfer" könnten dabei arbeitslos werden. Außerdem sind die meisten Menschen tatsächlich "Schafe", die den "Schäfer" benötigen, und nur wenige sind zu "Wissenden" (Gnostiker) berufen und auserwählt. Es kann sich nämlich herausstellen, daß Gott nicht nur göttliche, sondern auch teuflische Eigenschaften besitzt, daß Er sowohl gut als auch böse, sowohl schön als auch häßlich, sowohl männlich als auch weiblich und mehr ist, und dieses Wissen erträgt beileibe nicht jedermann und schon gar nicht jedefrau. Diesen ganzheitlichen, vollständigen Gott nannten und nennen die Gnostiker unter anderem den hahnenköpfigen, schlangenfüßigen, peitschenden ABRAXAS.
Gnostiker unter sich:
So ein Neu-Gnostiker war der Chilene Miguel Serrano (1917 - 2009). In seinem Buch "Meine Begegnungen mit C. G. Jung und Hermann Hesse" beschreibt er seine Begegnungen und seine Freundschaft mit zwei weiteren Neu-Gnostikern: Carl Gustav Jung (dessen ganzes Werk gnostisch ist) und Hermann Hesse (dessen Roman "Demian" höchst gnostisch ist). Bei Interesse für das Thema "Gnosis heute" ist Serranos kleines aber feines Buch (1966) äußerst lesenswert.