Dieser zunächst für den britischen Fernsehsender Channel 4 produzierte Film bedeutete Dank der Kinoauswertung den Durchbruch für Regisseur Stephen Frears und ist ein Juwel des New British Cinema.
Zur Geschichte: Der junge, arbeitslose Pakistani Omar (Gordon Warnecke) betreut nach dem Selbstmord seiner Mutter seinen alkoholkranken Vater Hussain (Roshan Seth in geradezu beängstigend "kranker" Maske). Sein Onkel Nasser (Saeed Jaffrey), ein mit dubiosen Machenschaften zu Wohlstand gekommener Geschäftsmann, gibt ihm die Leitung eines herunter gekommenen Waschsalons. Auf sehr riskante Weise organisiert sich Omar von Nassers Geschäftspartner Salim (Derrick Branche) Geld und renoviert zusammen mit seinem Schulfreund Johnny (Daniel Day-Lewis mit blondierten Haaren) den Salon. Der wunderbare Waschsalon ist eine Provokation angesichts der schäbigen Umgebung. Der Neid von Johnnys Kumpeln aus dem rechtsradikalen Milieu führt zur Gewalteskalation. Auch Salim will sein Geld zurück. Aber die aufkeimende Liebe zwischen Omar und Johnny trotzt den Widrigkeiten.
Frears verfilmte ein Drehbuch von Hanif Kureishi, der hier seine Erfahrungen als pakistanischer Einwanderer verarbeitete. Sehr präzise portraitiert er verschiedene Einwanderermilieus ohne für eine Seite Partei zu ergreifen. Auf der einen Seite haben wir Hussain, einen an der britischen Realität gescheiterten sozialistischen Journalisten, der seine Desillusion in einer schäbigen Wohnung im Alkohol ertränkt. In seinen hellsten Momenten lässt er aber immer wieder seinen uneingeschränkten Glauben an gesellschaftliche Veränderungen durchscheinen. Auf der anderen Seite sehen wir seinen (auf den ersten Blick) ungleich erfolgreicheren Bruder Nasser, der die radikalmarktwirtschaftlichen Prinzipien der Thatcher-Ära vollkommen verinnerlicht hat und sich neben einem gutbürgerlichem Haushalt mit Frau und drei erwachsenen Töchtern auch noch ein englische Geliebte (Shirley Anne Field) leisten kann.
Die Kehrseite des Thatcherismus, der wirtschaftliche Prosperität durch eine Deregulierung der Märkte erzwingen will, wird in den Straßenszenen im Süden Londons deutlich: Armut, Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit sind die hässliche Kehrseite des wirtschaftlichen Aufschwungs. Auch Omars Freund Johnny gerät zwischenzeitlich auf die schiefe Bahn und rutscht ins rechtsradikale Milieu ab. Die Metamorphose von der Karikatur des White Trash zum selbst bestimmten Liebenden ist umso bezaubernder. Dass ausgerechnet der Pakistani Omar (ohnehin ohne Bindung an sein "Herkunftsland" und damit dem Rassismus besonders hilflos ausgeliefert) den wirtschaftlichen Aufstieg schafft, ist eine komische Umkehrung des Erfolgsmodells.
Trotz der ernsten Probleme, die der Film beschreibt, ist er von einer leisen Ironie, die die Liebe zwischen Omar und Johnny als mögliche (sehr private) Lösung zur Überwindung von Gewalttätigkeit zeigt. Die geradezu dokumentarisch anmutende Darstellung des alltäglichen Rassismus kontrastiert mit atemberaubenden Momenten privaten Glücks: Bei seinem Wiedersehen mit Johnny verlässt Omar seinen von Skinheads umlagerten Wagen, um auf seinen alten Freund zuzugehen. In seiner überschäumenden Freude trotz er der Gefahr. Bei der Eröffnung des Waschsalons sehen wir einen verliebten Nasser, der mit seiner Geliebten tanzt, während sich Omar und Johnny im Nebenraum ihrer wahren Gefühle bewusst werden.
Auch für absurde Komik ist gesorgt, wenn zum Beispiel der spätabends kommende Hussain mit Blick auf seine anscheinend kaputte Uhr konstatiert, es sei doch erst kurz nach Drei.
Die besondere Stärke Frears ist es, dass er seine Filme ganz in den Dienst eines guten Drehbuchs (hier sogar für den Oscar nominiert) zu stellen weiß. Die Londoner Trilogie wurde noch mit "Prick up your ears" und "Sammy und Rosie tun es" fortgeführt (ebenfalls unter Mitwirkung Kureishis), die noch wesentlich schärfer die gesellschaftlichen Probleme angehen. Mit den "Gefährlichen Liebschaften" (1988) etablierte sich Frears auch in Hollywood.
"Mein wunderbarer Waschsalon" wird wie alle Filme der "Arthaus Collection" im Buchformat mit Booklet präsentiert. Gute Ton- und Bildqualität, optionale deutsche Untertiteln. Außer Werbefilmchen für andere Arthaus-Filme gibt es nur den Originaltrailer als Extra.
Fazit: Ätzende Satire und Feel-Good-Movie in einem. Ganz großes britisches Kino!